Icon Genetics GmbH

Großmeister als Firmenlenker
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Großmeister als Firmenlenker

12.11.2014 - Schach ist in seiner Heimat Volkssport. Auch der gebürtige Ukrainer Yuri Gleba fühlt sich dem Spiel der Könige verbunden: „Unternehmer müssen denken können wie Großmeister.“ Denn verglichen mit dem akademischen Kosmos sei die Geschäftswelt komplexer: „Wissenschaft, Politik, Wettbewerber – es müssen Aspekte aus sehr unterschiedlichen Bereichen beachtet werden. Genau das mag ich.“

Dass in Gleba ein waschechter Unternehmer schlummerte, war lange Zeit nicht absehbar. Geschweige denn, dass er gar eine zentrale Rolle im Kampf gegen die aktuelle Ebola-Pandemie spielen würde. Der Pflanzenphysiologe arbeitete anfangs in der Sowjetunion. Nach dem Systemwechsel ging er dann für beinahe ein Jahrzehnt in die USA. „Dort, in der Forschungsabteilung einer Firma, habe ich gelernt, dass große Unternehmen nicht die besten Orte für das Gedeihen von Innovationen sind“, lautet Glebas Fazit. 

Folgerichtig beginnt der damals schon fast 50-Jährige eine Unternehmerkarriere und gründet 1999 Icon Genetics in Princeton (USA). Das Start-up entwickelt für Kunden virale oder bakterielle Expressionssysteme zur Herstellung von Proteinen in Pflanzen. Der große Vorteil: Schon nach einem Monat können die gewünschten Proteine aus den Blättern en masse isoliert werden – egal, ob es sich um Low-Cost-Proteine wie industrielle Enzyme und Biomaterialien oder um hochwertige Biopharmazeutika handelt. Noch im ersten Jahr zieht Icon nach Europa um. „Einer der Gründe für den Schritt war, dass wir die USA kulturell als eine Wüste empfanden“, erinnert sich der Opernfan. Aufgrund persönlicher Kontakte entschied sich die dreiköpfige Familie für Deutschland. „Wir hatten pures Glück“, erinnert sich Gleba, „denn die deutsche Regierung legte damals ein riesiges Finanzierungsprogramm auf.“ Da es auch Geld von den Bundesländern gab, wurde die Firma in eine AG in München und eine GmbH in Halle an der Saale geteilt. „Ich denke, dass wir nur aufgrund dieser komfortablen Fördergeldsituation den sich damals gerade abzeichnenden Zusammenbruch der Biotech-Szene überleben konnten.“ Der Erfolg der Firma mündete in der Übernahme durch Bayer 2006. Der Pharmakonzern wollte mit Icons Technologie Krebsvakzine herstellen. Gleba wurde überredet, an Bord zu bleiben: „Aber irgendwann war ich nicht glücklich, dass nur dieses eine Produkt verfolgt wurde. Misslingt es, gerät die Technologie als Ganzes in Verruf.“ 

Die Lösung: Gleba arbeitete ab 2008 halbtags bei Bayer, sonst für die von ihm neugegründete Nomad Bioscience – dort jedoch beschränkt auf nicht-pharmazeutische Projekte. 2012 verließ Bayer aufgrund eines Strategiewechsels das Gebiet komplett und Gleba war wieder als Schachstratege gefragt. Sein Zug: Nomad übernimmt Icon. Im Gegensatz zur Anfangszeit Icons verzichtete Gleba bei dem Management-Buyout nun ganz auf Wagniskapital. Die Mutterfirma Nomad gehört derzeit vier Personen, Gleba davon 90%. „Das spiegelt meine Frustration über Wagniskapital wider. Mit der Finanzierung über Auftragsforschung haben wir nun die volle Kontrolle.“ Hier kommt der Firma zugute, dass ihre Kunden aus so verschiedenen Bereichen wie der Pharma- oder der Agrarindustrie kommen. „Unsere 33 Mitarbeiter wechseln dann immer zwischen den Projekten. Aus betrieblichen Gründen mussten wir noch nie jemanden entlassen“, so Gleba stolz. Stolz kann die Firma auch aus einem anderen Grund sein: Das gegen Ebola-Viren eingesetzte Medikament ZMapp basiert auf den Erfindungen der Hallenser. „Ich bin gerade auf dem Weg nach Washington DC zu einem Gespräch mit dem US-Verteidigungsministerium“, erklärt Gleba. Es soll um die künftige Strategie zur Eindämmung der Pandemie gehen. Aber es sind US-Firmen, die Icons Technologie zur Produktion des Wirkstoffcocktails nutzen. Gleba hat daher „gemischte Gefühle“: „So schön es ist, die Früchte der Arbeit reifen zu sehen. Es ist auch ein wenig frustrierend, dass dies nicht in Deutschland geschieht.“

Juri Gleba

Geboren, aufgewachsen und ausgebildet in seiner Heimatstadt Kiew promovierte Yuri Gleba 1974 an der dortigen Universität in Pflanzenphysiologie, 1980 in Leningrad dann in Genetik. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs trieb er in Osteuropa die Entwicklung der Naturwissenschaften voran, unter anderem als Direktor der Ukrainischen Akademie der Naturwissenschaften. In den 90er Jahren arbeitete er für die American Cyanamid Company (USA), bevor er 1999 mit Icon Genetics seine erste eigene Firma gründete. Die Tochter des 65-Jährigen ist ebenfalls Forscherin - allerdings nicht in den Biowissenschaften. Die Archäologin analysiert antike Textilien an der Universität Cambridge. Gleba - mittlerweile Großvater - lebt mit seiner Frau in Berlin.

http://www.transkript.de/menschen/mensch-und-unternehmen/juri-gleba-icon-genetics-gmbh.html

Artikel-Archiv

08.10.2014 Das Gespräch mit Roland Göhde ist für 19 Uhr angesetzt. Nach dem Abheben des Hörers wird sofort klar: Der Unternehmer wird gerade an anderer Stelle dringend gebraucht: Das vier Monate alte Töchterchen quengelt.

Partec GmbH

Göhde entschuldigt sich und nimmt die Kleine auf den Arm. Sofort kehrt Ruhe ein. „Wenn sie im Mittelpunkt ist, ist alles super“, schmunzelt Göhde. Nicht nur aufgrund der neuen Rolle als Vater befindet sich der 42-Jährige in einer Phase des Umbruchs: Vor einem Jahr wurde die Familienfirma Partec, ein 1967 von Mutter Hildegard und Vater Wolfgang gegründeter Diagnostikspezialist, an den japanischen Konzern Sysmex verkauft. Was die eine Veränderung an Zeitgewinn bringt, wird die andere wohl wieder auffressen. „Was weiterhin fehlen wird, ist Zeit zum Üben“, ahnt der Hobbymusiker. Göhde spielt Waldhorn im Collegium Musicum Münster und im Jungen Orchester Nordrhein-Westfalen. „Das Instrument gilt als schwer beherrschbar, weil die Töne gern wegkippen“, erklärt er und ergänzt, dass er es als Hornist nur so weit gebracht habe, weil das Instrument lediglich von wenigen gespielt werde: „Als Trompeter oder Flötist hätte ich das kaum geschafft!“ Diese Suche nach einer Nische, in der man glänzen kann, könnte auch eine Ursache des Erfolgs der Firma aus Münster sein. Grundlage war die Erfindung der fluoreszenzbasierten Durchflusszytometrie durch Vater Wolfgang. Zwar nutzten in den ersten Jahrzehnten vor allem die US-Firmen Becton Dickinson und Beckman Coulter das kommerzielle Potential der Technologie – vorwiegend in der klinischen Routinediagnostik –, doch Partec etablierte sich nachhaltig als Spezialist für die Analyse von Mikroorganismen und Pflanzenzellen. Der große Erfolg kam 2000 als Vater und Sohn die Schwesterfirma in Görlitz aufbauten. Die dort produzierten Geräte waren für die Immundiagnostik in Entwicklungsländern bestimmt – zur Detektion von HIV, Malaria-Plasmodien und Tuberkulose-Bakterien. Der Junior vertraute auf kompakte, robuste und einfach zu bedienende Geräte. Mittlerweile setzt Partec 4 Millionen Tests pro Jahr ab. „Wenn unsere Konkurrenten uns damals ernst genommen hätten, dann wären wir schnell wieder vom Markt verschwunden“, glaubt er. 

Aber auch so war aller Anfang „nicht immer Zuckerschlecken“. Um die Jahrtausendwende kam es besonders dick. Durch das Platzen der Börsenblase wurden auch der nicht börsennotierten Biotech-Firma in einer Art Sippenhaft die Kredite gestrichen. Eine geschäftliche Zusammenarbeit mit einem dänischen Vertriebspartner endete kurz darauf vor Gericht – einhergehend mit einem Umsatzeinbruch von 60%. Außerdem war mit dem Aufbau des neuen Standorts in Görlitz damals gerade eine für die Firma sehr hohe Investition von knapp 3 Mio. Euro angeschoben worden. Doch Vater und Sohn steuerten die Firma aus der Krise – „ohne jemandem kündigen zu müssen“. Mit einer Eigenkapitalquote von mehr als 60% war die profitable Firma später unabhängig von Bankkrediten. Durch regelmäßige Reisen nach Afrika und Südasien erarbeitete sich das Gespann das für den Erfolg nötige Vertrauen der Kunden. Am Ende überzeugten aber auch Qualität und Preis: Die Überwachung des Immunstatus eines HIV-Infizierten kostet zum Beispiel dank Partecs Durchflusszytometriesystem nur noch 8 statt bisher 160 Euro im Jahr. 

Dank Sysmex stehen jetzt neue Vertriebskanäle zur Verfügung. Auch die Produktpaletten ergänzen sich „logisch und systematisch“. Göhde ist sich sicher, dass Partec auch langfristig abgesichert ist: „Mit Sysmex können wir die großen Konkurrenten in der Routinediagnostik herausfordern.“ Auf dem Weg dorthin werden in den Standort Görlitz gerade 7,5 Mio. Euro investiert. Ein positiver Nebeneffekt für Göhde persönlich: Managementverantwortung und Reisetätigkeit sind nun auf mehrere Schultern verteilt. Davon profitiert mit Sicherheit die schon längst eingeschlummerte Tochter – und vielleicht auch das vernachlässigte Horn. 

Roland  Göhde

Zeitweise arbeiteten drei von vier Kindern in der Firma der Eltern. Derzeit hält der drittgeborene Roland Göhde die Fahne hoch – neben seinem 72-jährigen Vater Wolfgang, der als Forschungschef immer noch in der Firma aktiv ist. Auch wenn Partec mittlerweile kein Familienbetrieb im eigentlichen Sinn mehr ist, die gewachsenen Strukturen und Traditionen leben auch heute noch fort. Geboren in Münster sieht sich Roland Göhde durch die ostsächsische Herkunft der Familie und den vielen Jahren als Chef der Görlitzer Firma „halb als Sachse, halb als Westfale“. Dem Abitur folgten ein Mineralogie-Studium und ausgedehnte Reisen um den Globus. Seit 1995 bekleidete er verschiedene Funktionen in der Firma. Als geschäftsführender Gesellschafter trieb er ab 2011 die Suche nach einem strategischen Partner voran. Seit dem Zusammenschluss mit Sysmex ist er Senior Managing Director. Göhde lebt mit seiner Familie in Westfalen.

11.09.2014 "Der Spagat wird in absehbarer Zeit aufgelöst werden müssen", sagt Arndt Rolfs, Professor für Neurologie und Psychiatrie an der Universität Rostock und Direktor des Albrecht-Kossel-Institutes für Neuroregeneration. Dem 55-Jährigen fiele der Abschied von der Universität schwer, denn er mache "Lehre und Forschung außerordentlich gern".

privat

Die Sirene, die verlockend ruft, hört auf den Namen Centogene. Seit Juni ist Rolfs Geschäftsführer des von ihm 2006 mitgegründeten Unternehmens, das sich auf die Charakterisierung seltener Erkrankungen spezialisiert hat. "Ich gewinne immer mehr Freude an geschäftlichen und strategischen Entscheidungen und bin jemand, der gern anpackt und gestaltet", beschreibt er seine Motivation für die Übernahme des Chefsessels. Der wurde vakant, da sich Ex-Chef Michael Schlenk nach vier Jahren – neben der Übernahme einer Aufsichtsratsposition bei Centogene – neuen Herausforderungen stellte. Berührungsängste mit der Wirtschaft hatte Rolfs nie. Seit 1991 fungiert er als Berater für Biotech-Firmen, 2001 gehörte er zu den Gründern von Arcensus AG und Genebanking AG. Beide Firmen existierten nur wenige Jahre, dann brach die Finanzierung weg. "Die Geschäftsidee der Genebanking kam von mir", erinnert sich Rolfs. "Mit der Entwicklung einer PCR-Diagnostik von Sepsis und Meningitiden waren wir schon weit vorangeschritten, als das Aus kam."

Für den Professor eine "spannende Lehre", aus der er finanziell mit einem "blauen Auge" davonkam. Bei der Gründung von Centogene sollte alles besser laufen - dieses Mal gänzlich ohne Wagniskapital. "Trotz konservativ-kaufmännischen Handelns wachsen wir um 30 bis 60% im Jahr", gibt der Inhaber stolz zu Protokoll. Centogene bedient dabei drei unterschiedliche Märkte. Brot- und Butter-Geschäft ist die klinisch-genetische Diagnostik mit dem Schwerpunkt seltene Erkrankungen. Die Grundlagen hierfür wurden schon am Kossel-Institut gelegt. Rolfs: "Centogene wurde damals auch aus einer gewissen Enttäuschung über die Unbeweglichkeit universitärer Strukturen heraus gegründet. Seitdem hat sich zum Glück vieles zum Guten geändert - insbesondere auch an meiner Alma mater in Rostock." Nach der Ausgründung gedieh die Firma prächtig. Das gesammelte Know-how im Bereich der "Rare Diseases" ermöglichte den Aufbau eines Bereichs mit Beratungsleistungen. Die dritte Stütze ist eine stetig wachsende Datenbank mit derzeit 150.000 Mutationen - laut Rolfs eine der größten der Welt: "Dank der detaillierten klinischen Beschreibungen können Erkrankungen oft auch dann identifiziert werden, wenn Ärzte nur einen Teil der Symptome beobachten." Dazu kommt: Auch die Patientenproben lagern in Rostock. Centogene sucht hier nach Biomarkern für Diagnostik oder Therapie-Monitoring. Außerdem werden Wirkstoffe in Eigenregie entwickelt.

Rolfs ist begeisterter Opernfan: "Immer, wenn ich irgendwo unterwegs bin, versuche ich, noch Karten zu ergattern." Seine Favoriten sind München und Wien: "Ich habe einmal auf die Frage nach meinen Träumen geantwortet, dass ich gern Kaiser in Wien sein würde. So könnte ich jeden Abend dort in die Oper gehen." Etwas realistischer ist da eine andere Option: in ein paar Jahren nach Wien zu ziehen. Der Anstoß für die Arbeit an seltenen Erkrankungen erfolgte übrigens am Strand. 2004 las Rolfs bei einem Familienausflug an der Ostsee einen Zeitungsartikel zu Morbus Gaucher, einer erblich bedingten Stoffwechselerkrankung. "Ich hatte vorher noch nie etwas davon gehört", erzählt der Arzt. "Am nächsten Tag wurde mir bei der Visite ein Patient mit genau jenen Symptomen vorgestellt. Den ratlosen Assistenzarzt konnte ich so im Brustton der Überzeugung mit 'Nach meiner klinischen Erfahrung könnte es Morbus Gaucher sein' verblüffen", lacht Rolfs. Nach der genetischen Analyse dauerte es keine drei Monate, bis Kollegen aus aller Welt Rolfs baten, auch ihre Fälle unter die Lupe zu nehmen. Der Stein kam ins Rollen und noch ist nicht absehbar, wann er zum Stehen kommt. Laut Rolfs beschäftigt Centogene derzeit 200 Angestellte aus 25 verschiedenen Nationen: "Darunter sind viele junge, neugierige Mitarbeiter, die den Aufbruchgedanken mittragen. Das erlebe ich als total stimulierend." Die Chancen stehen also gut, dass die Firma mit Rolfs als Vollzeitchef ihren Höhenflug fortsetzen kann.

Arndt Rolfs

Nach dem Humanmedizinstudium in Mainz und Wien zog Rolfs 1985 nach Berlin, wo er an der Freien Universität, dem Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik und dem Universitätsklinikum Rudolf Virchow arbeitete. Für die Universität Rostock ist er seit 1993 tätig. 1995 habilitierte er sich, zwei Jahre später wurde er in Rostock Professor für Neurologie und Psychiatrie. Direktor des universitären Albrecht-Kossel-Institutes für Neuroregeneration wurde Rolfs 2008. Seit 2001 tritt der Mediziner auch als Unternehmer in Erscheinung. Mitte dieses Jahres übernahm er die Geschäftsführung der von ihm gegründeten Centogene AG. Der gebürtige Rheinhesse wohnt mit seiner Frau in Berlin und pendelt nach Rostock. Rolfs ist Vater von zwei Töchtern.

17.07.2014 „Im Prinzip sind wir eine klassische Garagenfirma!“ – auch wenn es sich bei Tobias Schmidheini und seiner Microsynth AG konkret um keine Garage, sondern ein „WG-Zimmer mit IKEA-Einrichtung“ gehandelt hat.

privat

1989 wehte der gewisse US-amerikanische Pioniergeist durch die Straßen von Zürich, Schmidheini saugte ihn auf. Frustriert von der teuren und langwierigen Herstellung von Oligonukleotiden für die Forschung (die ansässige Hochschule produzierte sie nur alle drei Monate), begannen der Student und seine Frau in spe Denise, die kurzen Nukleotidketten einfach selbst zu synthetisieren. „Die 40.000 Schweizer Franken Gründungskapital für den Kauf der nötigen Geräte und Chemikalien kamen von Denise, meinen Eltern und mir“, erzählt er. „Parallel zur Dissertation habe ich abends und morgens in einem Extrazimmer in der Wohngemeinschaft Oligos hergestellt.“ Gleich der erste Kunde war einer von Format: Der Pharmakonzern Roche musste bis dahin seine Oligos in den USA bestellen. Der Auftrag flatterte nur drei Monate vor der Verteidigung seiner Doktorarbeit ins Haus. Was folgte, waren Nachtschichten en masse. „Für mich war das aber kein Stress, sondern die pure Freude“, kommentiert Schmidheini rückblickend. Am Ende hatte er seinen Titel in der Hand und einen zufriedenen Auftraggeber: Statt ein bis zwei Monate musste Roche nur maximal zwei Tage auf seine Oligos warten.

Obwohl Microsynth gemeinsam mit TIB Molbiol aus Berlin die erste Firma Europas war, die synthetisierte Oligos verkaufte, verlief der Anfang schleppend. Gemeinsam mit GATC Biotech aus Konstanz waren die Schweizer auch einer der Pioniere der kommerziellen DNA-Sequenzierung in Europa. Doch erst 1992 konnten die ersten zwei Mitarbeiter eingestellt werden. „Das Gefühl, dass wir uns wirklich dauerhaft auf dem Markt halten können, hatte ich nie. Eine gewisse Skepsis hat mich ständig begleitet, auch nachts“, gibt Schmidheini freimütig zu. Erst mit dem Anbau an das Firmengebäude in Balgach im Jahr 2004 stellte sich so langsam die Gewissheit ein: Wir haben es geschafft! Das Geschäftsmodell wurde im Laufe der Jahre über die Kernkompetenzen Oligosynthese und Sanger-Sequenzierungen hinaus auch auf PCR, DNA/RNA-Isolation und Next-Generation-Sequencing ausgeweitet. Außerdem greift die Branche gern auf Microsynth zurück, wenn Aufgaben ausgelagert werden sollen. „Wir können komplexe molekularbiologische Projekte wie zum Beispiel Screenings über eine Library stemmen“, erzählt Schmidheini stolz.

Auch geographisch ist die Firma gewachsen: 2012 wurde eine Außenstelle in Österreich eröffnet, 2013 mit der Übernahme der Seqlab GmbH eine Filiale in Deutschland geschaffen. Die Proben werden somit in Balgach, Wien und Göttingen bearbeitet. „Dabei ist uns auch der Umweltgedanke wichtig“, bekräftigt der Microsynth-Chef. „Proben einfliegen kommt für uns nicht in die Tüte. Wo es geht, sammeln sie Fahrradkuriere ein.“ Aus diesem Grund wird in Balgach auch immer mit geschaut, dass neue Mitarbeiter nicht zu weit von der Firma entfernt wohnen. Ein mutiger Schritt, denn Fachkräfte sind in der Ostschweiz rar. 

Mutig sind auch seine Pläne für die Zukunft der Firma: Nach 25 Jahren gibt er die Geschäftsführung im Sommer 2014 an zwei langjährige Mitarbeiter ab, wird Leiter des Bereichs Forschung und Entwicklung. „Ich habe miterlebt, was passiert, wenn der Chef zu lange am Ruder bleibt“, begründet er knapp seinen Ausstieg auf Raten. In Schmidheinis Familie waren alle Unternehmer: Der Großvater war Kaufmann im Textilgewerbe, der Vater Elektroingenieur. Die beiden Kinder sind erst Anfang 20 und damit für ihn noch zu jung, um die Firma zu leiten. „Die fittesten Geschäftsführer sind zwischen 35 und 50 Jahre alt. Wenn die Kinder aber später Interesse haben einzusteigen, dann können sie dies auch tun.“ Ob sie das aber auch machen? Ein Blick auf die Familiengeschichte zeigt: Bisher hat sich die jüngere Generation immer ihr eigenes Sprungbrett in die Selbständigkeit gesucht

Tobias Schmidheini

Der studierte Biologe stammt aus dem Kanton St. Gallen in der Ostschweiz. Nach seiner Doktorarbeit an der ETH Zürich über eine S. cerevisiae-Stoffwechselmutante zieht er mit seiner 1989 frisch gegründeten Firma Microsynth nach Windisch im Kanton Aargau. Schmidheini und seine Frau Denise bauen die eigentümergeführte Firma um verschiedene Dienstleistungen im Bereich der Molekulargenetik zum führenden Anbieter in der Schweiz auf. Anfang der 90er Jahre zieht die Firma in die alte Heimat des Ehepaares nach Balgach. Das Unternehmerpaar hat zwei Kinder, die perspektivisch in die Firma einsteigen könnten. In der Freizeit geht es zu Fuß oder mit dem Ski über die Alpen. Das Ehepaar schwingt sich auch gern aufs Velo. In diesem Sommer wird die deutsche Nordseeküste radelnd erkundet.

12.06.2014 Das Ehepaar Biskup und die Gründerpreis-dekorierte Diagnostik-Firma Cegat – beides hätte es mit ein wenig Pech vielleicht nie gegeben. Zwar war Saskia Biskup, geb. Huber, insgesamt zwölf Jahre in Würzburg, doch ihr zukünftiger Mann machte dort nur für ein halbes Jahr Station.

Cegat GmbH

Nach seiner Promotion arbeitete dieser als Assistent des Geschäftsführers eines dort ansässigen Medienunternehmens. In der Freizeit wollte er sich auf dem Tennisplatz ausarbeiten. „Dirk hat zielsicher meinen Tennisclub ausgesucht – und in Würzburg gibt es nicht gerade wenige Vereine“, erzählt die Unternehmerin. Der erste Spielpartner sollte dann natürlich ein Mann sein. Nur wollten die nicht mit ihm spielen: „Er hat zwölf Männer angerufen, die aber alle keine Zeit hatten. Wenn‘s denn sein muss, hat er sich dann wohl gedacht, spiele ich halt mit einer Frau. So hat das Telefon dann bei mir geklingelt.“ Nach Eigenaussage eint beim Tennis beide ein unbedingter Wille und große Ausdauer. „Es dauert lange, bis wir mal einen Ball verloren geben“, bestätigt Dirk Biskup. Auf der roten Asche wird um jeden Ball gekämpft, außerhalb des Platzes versteht man sich blendend. Aus Spielpartnern werden so bald Eheleute.

Nichtsdestotrotz behalten beide ihre Karrieren im Auge. Die Wissenschaftlerin geht nach Baltimore in den USA, der Kaufmann folgt ihr ins 150 Kilometer entfernte Berryville. „Wir haben nie versucht, unsere beruflichen Wege zielgerichtet zu synchronisieren“, versichern sie unisono. 2007 kommen sie nach Europa zurück. Die Medizinerin baut eine Arbeitsgruppe am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen auf. Der Kaufmann wird Finanzvorstand Europa bei AEG Tools. „Wir hatten nie geplant, einmal etwas beruflich gemeinsam zu machen“, gibt er zu Protokoll. Die Center for Genomics and Transcriptomics GmbH, kurz Cegat, wird schließlich 2009 geboren. Die Firma bietet molekulargenetische Analysen an. Zentral für den Erfolg sind die 2010 entwickelten sogenannten Diagnostik-Panels, mit denen sämtliche für eine Krankheit in Betracht kommenden Gene dank Next-Generation-Sequencing gleichzeitig analysiert und auf bestimmte Krankheitsbilder hin untersucht werden können. Gerade Patienten mit seltenen Leiden können die Panels – derzeit gibt es 159 – schnell Gewissheit über ihr Leiden geben. Damals waren die Tests eine absolute Neuheit, auf der ganzen Welt arbeitete nur die Emory University in den USA an einem ähnlichen Produkt. 

Ehemann Biskup hatte bei der Gründung der Firma – Cegat gehörte beiden zu gleichen Teilen – nicht die Absicht, dort eine größere Rolle zu spielen. „Ich dachte, es bleibt ein Hobby für den Abend, das auf kleiner Flamme gekocht wird.“ Doch die Firma bekommt Flügel, Anerkennungen in Form von Preisen häufen sich. Bereits im zweiten Geschäftsjahr schreibt Cegat bei einem Umsatz von 1 Mio. Euro eine schwarze Null. Jetzt liegt der Umsatz bei knapp 10 Mio. Euro und im Sommer 2014 steht der Umzug in einen eigens für Cegat konzipierten Neubau an. Derzeit arbeiten 70 Angestellte in der Firma, 2016 sollen es schon 100 sein. „Wir wachsen so schnell, dass wir ständig neue Organigramme brauchen“, lacht die Ärztin. Bei solch einer rasanten Entwicklung konnte man schon bald kaum mehr von einem Hobbyprojekt reden. „Dirk hat mich immer sehr viel zu den biologischen Hintergründen ausgefragt. Angefangen hat es bei Strandspaziergängen im Urlaub, wo ich ihm dann immer Skizzen in den Sand gezeichnet habe“, erinnert sie sich. Der Hamburger Jung arbeitet sich in die Thematik ein und gibt schließlich 2012 seinen Job bei AEG Tools auf. Mittlerweile bekommt der 43-Jährige für seine Vorträge Komplimente von ausgewiesenen Experten. Für die Zukunft hat das eingespielte Team noch viel vor. Ideen für neue Panels gibt es zuhauf, so sollen bald auch gewebespezifische Diagnostiktests angeboten werden. Außerdem steht die Expansion der Firma in die USA auf dem Plan. Und privat? „Auch hier ist eine Expansion nicht ausgeschlossen“, so das Paar geheimnisvoll. 

Saskia & Dirk Biskup

Saskia Biskup hat in Würzburg Medizin studiert und wurde dort zum Dr. rer. nat. promoviert. Später forschte sie am Institut für Humangenetik in München und an der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore. Fachärztin für Humangenetik wurde sie schließlich an der Universität Tübingen, wo sie auch ihre erste eigene Forschergruppe aufbaute. Dirk Biskup studierte BWL in Hamburg und wurde an der Universität Bielefeld promoviert. Nach leitenden Positionen bei der Bertelsmann AG und der AEG Electric Tools GmbH gründete er 2009 gemeinsam mit seiner heutigen Ehefrau in Tübingen die Cegat GmbH. Seit Anfang 2012 hält die B. Braun AG 20% der Firmenanteile.  

15.05.2014 Einen Moment lang muss Sylvia Wojczewski nachdenken. Die Frage lautete: Welche Meinung hat Joachim Engels wohl von Biospring? „Eine positive, ja, auf jeden Fall eine positive!“ Engels ist Professor am Institut für Organische Chemie an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Ohne ihn wäre die Biospring GmbH 1997 wohl nicht gegründet worden.

Biospring GmbH

„In Engels Gruppe herrschte eine kreative Atmosphäre“, erinnert sich Biospring-Chefin Wojczewski. Er hat an Oligonukleotiden gearbeitet. Außerdem gab er an der Uni Vorlesungen zur Unternehmensgründung, lud erfolgreiche Firmengründer für Vorträge ein. „Im Laufe des Studiums hatte ich ab und zu schon den Gedanken, eine Firma zu gründen. Professor Engel war so etwas wie ein Katalysator“, bilanziert Wojczewski. Offenbar aktivierte der Professor auch bei drei weiteren seiner Studenten das Unternehmergen, denn vier der sechs Gründer stammten aus seiner Forschungsgruppe.

Damals boomte die Biotech-Branche und ein Arbeitsfeld war schnell gefunden: Jeder, der molekularbiologisch gearbeitet hat, brauchte Primer zum Sequenzieren und Klonieren. Die sechs Gründer legten ihr Geld zusammen, schafften ein 30.000 Euro teures DNA-Synthesegerät an und versorgten die Kundschaft mit Oligonukleotiden. Doch nach und nach – aller Anfang benötigt Leidensfähigkeit – reduzierte sich die Zahl der Gesellschafter von sechs auf zwei. „Das hatte auch viel mit der persönlichen Lebenssituation zu tun“, so die 43-Jährige. „Am Anfang waren alle euphorisch, dann ließ sich die Firma nicht mit allen beruflichen Lebenswegen vereinbaren.“ Neben Wojczewski blieb der zwei Jahre ältere Chemiker Hüseyin Aygün mit an Deck. Der dritte Mitarbeiter wurde erst 2000 eingestellt, kurz vor dem Umzug von den Uniräumen nach Frankfurt-Fechenheim. Mittlerweile ist das Team auf 40 Personen angewachsen. Und alles dreht sich noch immer um Oligonukleotide. Allerdings spielten die klassischen Primer schon bald keine große Rolle mehr. „Wir haben schnell bemerkt, dass es einen Bedarf an modifizierten und komplex aufgebauten Oligos gibt“, erzählt Wojczewski. Qualität statt Quantität wird das Motto. Ihr Kompagnon Aygün nennt es, „eine Konditorei, die feines Backwerk herstellt“. Über die Jahre wurden die Produktionskapazitäten ausgebaut. Mittlerweile können Kunden die Oligonukleotide im Kilogrammmaßstab bestellen. In der Diagnostik reichen kleine Mengen, die großen werden in der Entwicklung von DNA- und RNA-Therapeutika gebraucht – für Tierversuche, toxikologische Untersuchungen und klinische Studien. Obwohl große Pharmafirmen zu den Kunden zählen, ist Biospring kein Hochdurchsatzunternehmen. Der Chefin zufolge dominiert immer noch die „Manufakturarbeit“. Immer mit angeschlossen: die Analytik. Während Biospring hier früher nur eigene Präparate im Blick hatte, wird nun auch im Kundenauftrag gearbeitet.

Erfolg macht Arbeit. Als Firmenchefin sind die Wochenenden nicht immer nur für die Freizeit da – Wojczewski liebt Bücher über die Frühgeschichte des Menschen –, da muss mitunter das ein oder andere erledigt werden. „Wenn einem das Spaß macht, was man tut, dann ist das aber kein Problem“, sagt sie. Trotzdem würde sie schon gern mehr Zeit haben. Für Freunde. Für Treffen mit der Familie. Bereut sie das Unternehmertum? „Ohne meckern zu wollen, aber die Firma hat wirklich viel Zeit in Anspruch genommen.“ Aber Verzicht gehört zur Selbständigkeit dazu, betont sie. Viel Arbeit, schlechte Bezahlung – die ersten Jahre zogen sich wie Kaugummi. Aber natürlich zählt etwas anderes: „Wir haben das Unternehmen von Null aufgebaut und wollten möglichst unabhängig bleiben.“ Andere Finanzierungsmodelle sind daher mittelfristig nicht angedacht, nötige Produktionserweiterungen sind aus eigener Kraft machbar. „Unsere Unabhängigkeit ist ein großer Vorteil, da wir schnell auf Markttrends reagieren können“, glaubt Wojczewski. Sie ist hartnäckig, will am Ball bleiben. Das dürfte auch ihrem ehemaligen Professor gefallen

Sylvia Wojczewski

Als echte Frankfurterin ist Sylvia Wojczewski nicht nur in Frankfurt am Main geboren. Sie ging in der Nähe zur Schule, hat hier studiert und promoviert. Noch als Doktorandin gründet sie mit fünf weiteren Gesellschaftern die Biospring GmbH. Mittlerweile besteht die Geschäftsführung nur noch aus ihr und Hüseyin Aygün. Seit dem Aufbau von GMP-Produktionskapazitäten vor zehn Jahren, kann die Firma als Allround-Dienstleister auftreten und ihre Kunden von der ersten Forschung bis in den Markt begleiten. Das Unternehmen gehört noch immer den beiden Gesellschaftern. Wojczewski ist liiert. Sie lebt mit ihrem Partner und zwei „getigerten“ Katzen – in Frankfurt.

27.03.2014 Studierter Kaufmann und Chemiker aus Tradition – aber von Biotechnologie hatte Oskar Tropitzsch keinen Schimmer: "Ein guter Freund aus Israel hat mich zur Jahrtausendwende gefragt, ob wir nicht auch Materialien für die Peptidsynthese vertreiben wollen", erinnert er sich. Seine Replik damals: "Wenn du mir erklärst, was das ist, dann denke ich darüber nach."

privat

Tropitzsch hatte Mitte der 80er Jahre damit begonnen, eine reine Handelsgesellschaft aufzubauen. Die Cfm Oskar Tropitzsch GmbH besorgt chemische Spezialitäten für ihre Kunden aus der chemischen, pharmazeutischen und biotechnologischen Industrie. Sie bringt über ihre Kontakte Hersteller und Kunden zusammen und organisiert auf Wunsch darüber hinaus die Produktion der Substanzen in größeren Mengen - auch in GMP-Qualität.

Die Bedenkzeit währte jedenfalls nur kurz: Das Peptidsynthesegeschäft wurde 2001 mit der Neugründung Iris Biotech GmbH angeschoben. "Meine Tochter heißt Iris. Außerdem ist der Name über die Regenbogenhaut im Auge und die auch als Iris bezeichneten Schwertlilien fest in der Biologie verankert", erläutert Tropitzsch die Namenswahl. Aminosäurederivate, spezielle Polymere, Peptidtoxine – das Angebot hat sich von damals 20 auf 6.500 Produkte vergrößert, die Mitarbeiterzahl kletterte auf 15. Iris Biotech gehört Tropitzsch nur zur Hälfte. Die andere besitzt Thomas Bruckdorfer, der als promovierter Chemiker in der Firma auch wissenschaftlich den Hut aufhat. Tropitzsch ist hier – wie auch bei Cfm – eher für die strategische Ausrichtung der Firma zuständig. Der 69-jährige ehemalige Leichtathlet ("Diskus, Speer und Kugel") hat das Tagesgeschäft schon lange an andere abgegeben. Wie es sich für ein Familienunternehmen gehört, hat Sohn Steffen wichtige Aufgaben inne. "Wir haben das Schicksal vieler Traditionsunternehmen vermeiden können", zeigt sich der Vater stolz. "Eine Generation baut die Firma auf, eine hält sie, die dritte richtet sie zugrunde. Wir sind jetzt aber schon in der vierten Generation!" Tropitzsch weiß, wovon er spricht, hat doch seine Familie 1890 das Marktredwitzer Chemieunternehmen vom – genau! – Enkel des Gründers übernommen. 1788 gegründet, gilt die Firma als die älteste chemische Fabrik in Deutschland.

Dass auch bei Tropitzschs mit der dritten Generation hätte Schluss sein können, weiß er aber nur zu genau. Nach knapp 200 Jahren im Quecksilbergeschäft war die in der Stadtmitte gelegene "Chemische" ein Sanierungsfall ohne gleichen. "Es ist nach so vielen Jahren schwierig festzustellen, wer was wie in den Boden gebracht hat", fasst Tropitzsch rückblickend die Situation in den 80er Jahren zusammen. 200 Mio. Euro kostete die Sanierung des Geländes den Steuerzahler. Das Werk wurde 1985 geschlossen, Die Chemische Fabrik Marktredwitz AG meldete Konkurs an. Der Spiegel sprach 1988 gar von Behörden-Schlamperei, da es schon Jahre früher Anzeichen von Fehlverhalten in der Firma gegeben hätte. Tropitzsch – damals immerhin schon zehn Jahre Teilhaber der Fabrik – wurde zu einer Geldstrafe von 80.000 Mark wegen umweltgefährdender Abfallentsorgung verurteilt. Trotzdem hatte er auch damals das Gefühl, einen guten Rückhalt in der Bevölkerung und in der Chemieindustrie zu haben: "Beim Neustart hatte ich keinen Nachteil." Der Erfolg von Cfm und Iris Biotech scheint ihm Recht zu geben. Stolz verrät Tropitzsch auch seine jüngsten Pläne, wieder ein produzierendes Unternehmen aufzubauen. Seit knapp einem Jahr hat Iris Biotech mit der Iris Biotech Laboratories GmbH einen eigenen kleinen Ableger. In Willstätt nahe der Grenze zu Frankreich stellt das Start-up mittlerweile einige Produkte für den Katalog der Muttergesellschaft selbst her.

Oskar Tropitzsch

Der Neffe des ehemaligen Vorstands der Chemischen Fabrik Marktredwitz AG (CFM) studierte zunächst Betriebswirtschaft in Nürnberg und ging als Trainee in die Stahlindustrie. Danach leitete er die volkswirtschaftliche Abteilung im Vorstandsbüro der Peine-Salzgitter AG in Niedersachsen. Als der Onkel 1975 stirbt, holt Vetter Rolf ihn an Bord des Familienunternehmens. Als Miteigentümer der Firma wird Tropitzsch Ende der 80er Jahre wegen eines Umweltskandals gerichtlich verurteilt. CFM macht als "Giftgrube" bundesweit Schlagzeilen und geht in Konkurs. Tropitzsch beweist mit der Gründung der Nachfolgefirma Cfm den Willen, den Unternehmergeist der oberfränkischen Familie am Leben zu erhalten. 2001 bekommt Cfm schließlich eine Tochter, die Iris Biotech GmbH. Der zweifache Vater wohnt mit seiner Frau in Marktredwitz.

27.02.2014 Helga Rübsamen-Schaeff gärtnert gern. Beim Unkrautjäten werde der Erfolg sofort sichtbar. Außerdem liebt sie es, Häuser zu gestalten. „Ich baue alles um, was mir in die Hände kommt“, gibt die Enkelin einer Architektenfamilie lachend zu Protokoll. Nach einem Blick auf ihre Vita wird sofort klar: Auch der Infektionsforschung und dem Biotech-Gewerbe in Deutschland hat die 63-Jährige ihren Stempel aufgedrückt.

Aicuris

Am 1. März wird mit Aicuris eines der erfolgreichsten Biotech-Unternehmen in Deutschland acht Jahre alt. Als Chefin von Anfang an dabei: Rübsamen-Schaeff. Zur fälligen Feier wird es in Wuppertal der Tradition folgend wohl wieder eine Diaschau geben, eine Revue der wichtigsten Ereignisse des abgelaufenen Jahres. Ohne Zweifel wurde bei der Vorjahresfeier der Lizenzvertrag mit dem US-amerikanischen Pharmaunternehmen Merck dabei mit besonders viel Szenenapplaus bedacht. Der Wirkstoff Letermovir hatte in einer Phase IIb-Studie seine Wirksamkeit gegen das bei Transplantationen oft Probleme verursachende Zytomegalievirus unter Beweis gestellt. Eine Vorabzahlung von 110 Mio. Euro, Meilensteinzahlungen von mehr als 330 Mio. Euro und bei den einzustreichenden Verkaufstantiemen ein „sehr ordentlicher Prozentsatz“ machen den Deal zu einem der drei besten je in Biotech-Deutschland abgeschlossenen Lizenzverträge. „Vermutlich kommt 2014 noch ein weiterer Vertrag für ein anderes Projekt hinzu. Das habe ich mir zumindest fest vorgenommen“, kündigte die Schnellrednerin und -denkerin an. Bereits die Geburt der Firma stand unter einem guten Stern. Der Pharmakonzern Bayer offerierte Rübsamen im Rahmen einer Umstrukturierung die Möglichkeit, ihre Abteilung „Antiinfektiva“ als Ausgründung fortzuführen – mitsamt Mitarbeitern und 13 Wirkstoffprojekten. Anders als heute war die Erforschung von Infektionskrankheiten damals aus der Mode. „Wir glaubten aber an unsere Produkte“, erinnert sich Rübsamen. Viele Kollegen verließen mit ihr Bayer, um bei Aicuris anzuheuern. In den vergangenen Jahren wuchs die Firma von 22 auf mehr als 50 Mitarbeiter. In der Gründungsphase hatte Rübsamen das Glück der Tüchtigen. Die Gebrüder Strüngmann waren gerade dabei, einige ihrer aus dem Hexal-Verkauf eingestrichenen Millionen in spannende Biotechnologie-Projekte zu stecken. Rübsamen kannte die beiden – und Aicuris wurde deren erstes Biotech-Engagement. „Eine typische Wagniskapital-Finanzierung kam für unsere kaum entwickelte Pipeline nicht infrage. Zahlungsziele von maximal fünf Jahren hätten für uns nicht ausgereicht. Aicuris wäre ein totgeborenes Kind gewesen.“ Auftritt Andreas und Thomas Strüngmann. Als 2005 bei den Verhandlungen mit den Brüdern die Frage nach der üblichen Risikoprüfung im Raum stand, winkte der Kaufmann Thomas ab. Das brauche er nicht. Er kenne schließlich Frau Rübsamen und vertraue ihr. „Dieses Vertrauen hat mich sehr stolz gemacht“,  sagt Rübsamen, „es hat mich aber auch unter einen enormen Druck gesetzt.“

Doch Rübsamen-Schaeff hat in ihrem Leben schon mehrfach bewiesen, dass sie Druck standhalten kann. So kennt sie die Parallelbelastung von beruflichen und privaten Aufgaben. Als alleinerziehende Mutter musste sie jahrelang eine „große zeitliche Disziplin“ an den Tag legen. Alle wichtigen Dinge mussten am Tag abgearbeitet sein, damit sie abends spätestens um sieben Uhr zu Hause bei ihrem Sohn sein konnte: „Einkaufen, Kochen und Putzen musste ich aber delegieren. Man darf nicht versuchen, auch noch die perfekte Hausfrau zu sein. Außerdem – und das war sehr wichtig – hat mich meine Mutter immer unterstützt.“ Rübsamen ist mittlerweile zum zweiten Mal verheiratet. Ihr Sohn, der als kleiner Junge einmal verkündet hat, nie der Mutter nachzueifern („Das ist viel zu viel Arbeit.“) erwägt mittlerweile selbst Unternehmer zu werden.

Helga Rübsamen-Schaeff

Die Akademikerin Helga Rübsamen-Schaeff studiert Chemie in Münster, promoviert mit 24 Jahren, geht als Postdoc in die USA und wird Leiterin der Abteilung Immuntherapie eines Forschungsinstitutes in Frankfurt/Main. Mit 34 Jahren habilitiert sie sich, mit 38 wird sie Direktorin des Institutes. 1988 folgt die Ernennung zur Professorin für Virologie und Bio-chemie an der Universität Frankfurt. Die Angestellte Helga Rübsamen-Schaeff leitet ab 1994 das Virologie-Institut und ab 2001 die gesamte Antiinfektiva-Forschung der Bayer AG. Nach der Ausgründung dieses Bereiches 2006 wird Rübsamen-Schaeff schließlich Unternehmerin. Sie führt Aicuris zunächst allein, seit 2013 dann gemeinsam mit Holger Schmoll und Holger Zimmermann, die für Finanzen respektive Wissenschaft zuständig sind.

30.01.2014 Wer Ralf Dreher 1988 getroffen hat, der sah keinen Unternehmer vor sich. Anzeichen, dass er 25 Jahre später Chef und mit 74% Mehrheitseigner einer erfolgreichen Diagnostik- und Analytikfirma mit 500 Angestellten sein würde? Gab es nicht.

Der promovierte Lebensmittelchemiker räumt das auch selbst ein: „Ich war zu diesem Zeitpunkt sehr forschungsorientiert.“ Als er damals, mit der Erfahrung von bereits 35 Lebensjahren, als Forschungsleiter zu der neugegründeten R-Biopharm stieß, sollte er Produkte entwickeln. Drei Jahre später kratzte er eine halbe Million Mark zusammen, kaufte die Firma, wurde deren Geschäftsführer und formte aus ihr ein weltweit agierendes Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 100 Mio. Euro.

Doch zurück ins Jahr 1988: Axel Röhm, Chef des Kunststoffspezialisten Röhm GmbH (jetzt Evonik) , wollte sich in der Biotechnologie ausprobieren. „Die R-Biopharm war seine Spielwiese“, verrät Dreher. Unabhängig vom Konzern agierend hatte die sechsköpfige Truppe nahezu Narrenfreiheit. Es wurde für Röhm an der Immobilisierung von Enzymen an Trägermaterialien für die Lebensmittelanalytik geforscht und für die Röhm Pharma GmbH an Humandiagnostika. Als Röhm an den Chemiekonzern Hüls (jetzt Evonik) verkauft wurde, änderte sich die Situation. Hüls war allein an der Plexiglassparte interessiert. Die Freude über die „Biotech-Klitsche“ fiel überschaubar aus.

Die Auflösung stand zur Diskussion. „Das hätte mir leidgetan. Wir hatten ja drei Jahre intensiv gearbeitet.“ Dreher fand einen Ausweg: einen Management-Buyout. „Das war der einschneidendste Schritt in meiner Karriere“, resümiert er heute. Einerseits war das Risiko hoch. R-Biopharm hatte elf Mitarbeiter, schrieb bei wenig Umsatz Verluste und besaß keinen Vertrieb. Andererseits waren die Vorzeichen aber auch nicht unbedingt schlecht: „Ich musste nicht von Null anfangen. Räumlichkeiten und Anlagen waren da. Und wir hatten die ersten vier Produkte aus dem Bereich Lebensmittelanalytik im Angebot.“ Dreher wagte den Schritt – und hätte ihn beinahe bereut. 1993 begann ein zermürbender Rechtsstreit. Röhm Pharma wurde von Procter & Gamble übernommen. Knall auf Fall wurden deren Aufträge an die R-Biopharm eingestampft. „Dabei hatten wir gerade in die GMP-gerechte Produktion von Humandiagnostik-Produkten – für Röhm Pharma – investiert!“ Drehers Reaktion: „Das war heftig!“ Es folgte eine mutige Volte des R-Biopharm-Chefs: Der Außendienst von Röhm Pharma wurde abgeworben, die Produkte in Eigenregie vertrieben. Die Amerikaner intervenierten – und bekamen Recht.

Doch der Streit hatte sich über Jahre hingezogen. Die Darmstädter konnten mit neuen, erfolgreichen Produkten aufwarten. „Wir sind seit 1994 profitabel“, betont Dreher. Wachstumsraten von bis zu 40% im Jahr sprechen für sich. Das Umfeld bekommt davon nicht viel mit. „Wir sind nicht direkt verschlossen, aber wir müssen auch nicht immer im Gespräch sein“, so der 60-Jährige. Zu Akquisitionen macht die Firma häufig gar keine Pressemitteilungen. Dreher lapidar: „Davon verkaufen wir nicht einen Kit mehr.“ Mit den bekannt gewordenen finanziellen Engagements bei der Humatrix AG und der Candor Bioscience GmbH setzt R-Biopharm aber dennoch ein deutliches Zeichen, dass die Zukunft in der personalisierten Medizin liegt. 

Im Jahr 1991 hatte der frischgebackene Unternehmer die Vision, eine erfolgreiche Firma mit einem tollen Arbeitsklima aufzubauen. Die Mitarbeiter sollten viel selbst entscheiden können. Die Angst vor zwangsläufig auch auftretenden Fehlern wollte er ihnen nehmen. Ziel erreicht? "Ja, Ziel erreicht!" Aber wie das mit erfüllten Wünschen so ist: Schon bald hat man neue. "Wie lange kann ich bei dem aktuellen Wachstum der Firma diesen Geist noch bewahren?" fragt er sich jetzt. Jede neue Ebene wirkt verwässernd. "In den großen Firmen ist es gar nicht möglich, ein kreatives Klima zu pflegen", ist Dreher überzeugt. Wo ist die Grenze? Er weiß es nicht. Aber allen ist klar: Er wird diese Grenze finden und hinausschieben.

Ralf M. Dreher

Geboren 1953 in Sigmaringen auf der Schwäbischen Alb, zieht es Ralf Dreher zum Studium der Lebensmittelchemie nach Karlsruhe. In Tübingen fertigt er seine Doktorarbeit an, dann folgen zwei Jahre als Postdoc in Würzburg. Die ersten Industrieerfahrungen sammelt er als Mitarbeiter des Frankfurter Battelle-Instituts für Kernphysik, einem gemeinnützigen US-Institut für Vertragsforschung. Hier bearbeitet er ein Projekt für die Darmstädter Röhm GmbH. Als diese 1988 die Gründung der R-Biopharm lanciert, wird Dreher abgeworben. In der Biotech-Firma steigt er schnell zum Geschäftsführer auf. Seit einem Management-Buyout 1991 ist er auch Mehrheitseigner von R-Biopharm. Den Vater von vier Kindern trifft man in seiner Freizeit beim Joggen im Mühltal am Rande des Odenwaldes oder auf dem Tennisplatz des TSV Nieder-Ramstadt.

28.11.2013 Es ist Mitte der 90er Jahre und Jörg Riesmeier ist mit gerade einmal 32 Jahren zum Geschäftsführer des kleinen Start-ups Planttec gemacht worden. Am Anfang läuft nicht alles glatt und er ist "mehr als einmal" über die Haltung seiner Geschäftspartner verärgert: "Nur weil sie eine Visitenkarte mit dem Namen einer großen deutschen Firma präsentieren, haben sie die Weisheit nicht für sich gepachtet!"

Mit der Zeit verschafft sich Riesmeier Respekt - zum Teil auch durch "Tacheles reden im Hinterzimmer". Ein bisschen war der Niedersachse zu seinem Job gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Am Max-Planck-Institut (MPI) für molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam arbeitete das Team um Lothar Willmitzer auch an stark anwendungsbezogenen Projekten. Das passte nicht ins Konzept des Institutes. Abbruch oder Ausgründung? Biochemiker Riesmeier hatte bereits bei Willmitzer promoviert, folgte ihm mit 28 als Juniorgruppenleiter ans Institut für Genbiologische Forschung Berlin und arbeitete nach dessen Schließung am MPI an seiner Habilitation.

Bei einer solchen Karriere im Eiltempo war es eigentlich nur logisch, dass ihm die Leitung der neu gegründeten Planttec GmbH angetragen wurde. Riesmeier traute sich die Aufgabe zu und baute die Potsdamer Firma an der Schnittstelle von Grüner und Weißer Biotechnologie auf. 2000 wurde Planttec von Agrevo übernommen, bald darauf in Aventis Cropscience umgetauft und 2002 an die Bayer AG verkauft. Während dieser Zeit erweiterte Riesmeier den Standort auf der Insel Hermannswerder auf 70 Mitarbeiter. Ende 2003 wurde dann die Rechtsform der Firma geändert - für Riesmeier gab es damit keine adäquate Aufgabe mehr. Bayer erhielt den Standort als Bayer Bioscience bis 2008, dann wurden die Projekte in die USA und Belgien überführt und das Gewächshaus in Potsdam für immer verlassen.

Damals wurde aus einer Tendenz ein Fakt: "Die Grüne Gentechnik war in Deutschland gescheitert", sagt Riesmeier rückblickend. Er selbst ging als Fondsmanager mit seiner Familie nach Kalifornien. Eine richtige Entscheidung: "Das Flair an der Westküste war genial. Und erst das Geschäftsklima - wie für mich gemacht!" Vom Pioniergeist beflügelt, wartete die nächste Herausforderung in Boston. Von dort organisierte er den niederländischen Fonds LSP Bioventures. Das Geld kam von Syngenta, die sich so frühzeitig mit cleveren Ideen aus der Weißen Biotechnologie umgeben wollte. Mit Erfolg: Nach dem Anfangsinvestment - vermittelt durch Riesmeier - kauften die Schweizer 2012 eine Firma "irgendwo im tiefen Hinterland Floridas" für satte 113 Mio. US-Dollar. Zu diesem Zeitpunkt war Tausendsassa Riesmeier aber schon wieder zurück in Deutschland: "Ab 2008 wurde die Lage grässlich. Das Investorengeschäft hat überhaupt keinen Spaß mehr gemacht."

Wie so oft spielte ihm dann der Zufall in die Hände. Die Direvo Industrial Biotechnology (IBT) GmbH in Köln suchte gerade einen neuen Geschäftsführer. Nach dem Herauslösen der Sparte Weiße Biotechnologie aus der Direvo Biotech AG war der Pharma-Arm gerade in der Bayer AG aufgegangen. Ex-Chef Thomas von Rüden übernahm kurzzeitig das Ruder der Direvo IBT - und reaktivierte mit Riesmeier einen Kontakt aus alten Tagen. Der kannte die Firma bereits: "Wir bei LSP hatten Direvo zwar beobachtet, konnten uns aber nicht zu einem Investment durchringen." Damit wusste der frisch gebackene Chef natürlich auch, dass ihn gehörig Arbeit in Köln erwartete: "Wir haben die Firma komplett umgekrempelt." Drei Jahre später steht sie mit 30 Angestellten und zwei Hauptprodukten gut da. Die BluZy-Enzyme werten als Futtermittel verwendete Abfälle der Bioethanolproduktion auf. Die BluCon-Plattform garantiert die Umwandlung organischer Abfälle in wirtschaftlich verwertbare Einzelbausteine wie Milchsäure.

Die Riesmeiers wohnen jetzt wieder in Berlin: "Nach der Zeit in den USA wollten wir der Kinder wegen wieder auf bekanntes Terrain." Wochentags nächtigt Riesmeier in einer kleinen Mietwohnung in Köln. Die Wochenenden verbringt der laut Eigenaussage "experimentierfreudige Hobbykoch" mit seiner Frau und den sechs und elf Jahre alten Söhnen in Berlin-Zehlendorf. Obwohl sie noch nicht so recht wissen, was der Papa macht, wollen beide übrigens Erfinder werden. "Wobei sie allerdings noch stark auf Autos fixiert sind", seufzt der Vater.

Jörg Riesmeier

Wie die meisten Riesmeiers in Deutschland kommt der 48-Jährige aus dem Oldenburger Land. Geboren in Vechta, zieht es Jörg Riesmeier zum Studium nach Berlin. Es folgen Diplom, eine rekordverdächtig schnelle Promotion („Zwei Jahre und zehn Tage“) und einige akademische Positionen. 2006 ist er Mitgründer der Planttec und wird deren Geschäftsführer. Nach einem mehrjährigen Intermezzo in den USA als Fondsmanager übernimmt Riesmeier 2010 die Leitung der Direvo IBT in Köln

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