Celonic AG

Andreas Herrmann: Der Prinzipiell-Spontane
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Andreas Herrmann: Der Prinzipiell-Spontane

„Auch wenn es mittlerweile eine gereifte Branche ist“, sagt Andreas Herrmann und produziert sein glucksendes Lachen. „In der Biotechnologie sollte man flexibel sein.“ Wir sprechen gerade darüber, wie zum Teufel es ihm möglich war, als dreifacher Gründer, doppelter Geschäftsführer und Vater eines dreieinhalbjährigen Sohnes, wie es ihm also trotz all dieser Vereinnahmungen möglich war, innerhalb von zwei Tagen einen Gesprächstermin für diese Rubrik freizuräumen. Das ist Rekord, es gibt Kollegen, deren Assistentinnen vertrösten einen auf einen 45-Minuten-Slot in zweieinhalb Monaten.

Herrmann sagt jetzt einen kurzen Satz, dessen Kern man zunächst überhört. „Prinzipiell bin ich spontan.“ Auf den ersten Blick hat Herrmann wie alle Veteranen der Biotechnologie nur überlebt, weil er immer mehrere Perspektiven gleichzeitig einnahm.

Als Chemiestudent mit der Fachrichtung Biochemie machte er von Beginn an alles richtig und fing in einem der Hohetempel der deutschen biotechnologischen Forschung an, bei Wilhelm Stoffel in Köln. Hier ging es auch schon los mit der Gleichzeitigkeit. Neben seiner Promotion leitete Herrmann das Analytiklabor des Instituts. 1995 wechselte er nach Düsseldorf, um sich zu habilitieren. Er gründete dort erstmal eine Arbeitsgruppe zur vaskulären Gentherapie. Und bekam bald ein Problem. „Unsere Ergebnisse waren so schnell so gut, dass wir dachten, wir müssen das unbedingt patentieren.“ 1996 dann die erste Gründung, Cardiogene. Die Patente verdrängten die Veröffentlichungen. Noch eineinhalb Jahre war Herrmann gleichzeitig Grundlagenforscher und Unternehmer, dann entschied er sich für die Wirtschaft. „Weil man da viel schneller etwas bewegen kann.“ Unter ihrem CSO Herrmann bewegte sich bei Cardiogene tatsächlich einiges.

Im Jahr 2000 führt die Firma die erste klinische Studie für eine Gentherapie im Herz/Kreislauf-Bereich in Europa durch. Geld gab es im Überfluss. Insgesamt 61,5 Mio. Euro wurden an VC-Kapital eingesammelt. „Damals musste man gegenüber den Investoren nur Bio erwähnen und es hieß: Wie viel wollen Sie?“ Als der Börsengang 2001 scheitert, wurde das Lead-Produkt auslizenziert. Roche zahlt 2003 immerhin 90 Mio. Euro dafür – „Bio-Dollars“, wie Herrmann heute sagt, der das Geschäft abwickelte. Heute zweifelt er. „Das VC-Modell mit all dem Geld, das da verbrannt wird“, denkt er sich, „das kann doch nicht das einzig Wahre sein. Es muss auch möglich sein, vom Umsatz zu leben“. Der Biochemiker schaltet wieder in den Gleichzeitigkeits-Modus. Noch während er als Wissenschaftsvorstand von Cardiogene den Roche-Deal miteinfädelt, steigt er Ende 2002 bei einem Drei-Mann-Unternehmen ein, dessen Name ebenso unhandlich ist wie das Defizit gewaltig: die Papaspyrou Biotechnologie GmbH. Die zweite „Gründung“ im Leben des Unternehmers Herrmann.

„Ich hab sie einfach gedreht und nachhaltig aufgebaut“. Das bald in Celonic umbenannte Unternehmen hat nach drei Jahren 20 Mitarbeiter und ist mit der GMP-Auftragsherstellung profitabel. Heute sind es insgesamt 80 Mitarbeiter an zwei Standorten, Jülich und Basel. Er habe am Anfang viel unruhiger geschlafen, sagt Herrmann. Denn plötzlich sei es sein eigenes Geld gewesen, das auf dem Spiel stand. „Ich habe mit einer Million gebürgt, die ich natürlich nicht flüssig hatte.“ Der Schlaf ist heute wieder ruhiger. Zu ruhig vielleicht, denn jetzt will es der 48-Jährige noch einmal wissen. Vor kurzem hat er den Dienstleistungssektor der Celonic „für einen guten zweistelligen Millionenbetrag“ verkauft. Er fängt wieder dort an, wo er vor neun Jahren gestartet ist. Bei einem Drei-Mann-Unternehmen. Die von Herrmann und einem Partner vor kurzem gegründete Baliopharm AG hat die komplette Wirkstoffpipeline der Celonic übernommen. Anfang 2013 soll eine klinische Studie mit Atrosab starten, einem verbesserten TNF-Inhibitor. Seit Celonic zum ersten Mal profitabel war, hat Herrmann die Gewinne in die Erforschung von eigenen Wirkstoffen gesteckt. Und schon wieder: „Prinzipiell bin ich spontan.“ Die Betonung liegt auf dem Prinzip. Von Anfang an ging es dem Studenten Herrmann darum, ein Medikament in die Anwendung zu bringen. Ob Cardiogene oder Celonic – sie waren nur der Vektor zu Herrmanns Ziel. Auf Anfang ist Andreas Herrmann mit Baliopharm also eigentlich nicht, auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht. Herrmann ist fast am Ziel. „Ich will das jetzt fliegen sehen.“

Dr. Andreas Herrmann ist Vorstand der Celonic AG. 1994 schloss er seine Promotion in Biochemie im Bereich ZNS in Köln ab. Bereits während der Promotion und im Anschluss daran leitete er das proteinanalytische Labor des Zentrums für Molekulare Medizin in Köln, bevor er als wissenschaftlicher Assistent in Düsseldorf eine Arbeitsgruppe zur vaskulären Gentherapie gründete. Basierend auf diesen Arbeiten und Patenten wurde 1996 die Firma Cardiogene, später Cardion, mit dem Ziel gegründet, gentherapeutische und immunologische Produkte zu entwickeln. In diesem Jahr verkaufte er den Betrieb an die Rettenmaier-Gruppe – mit dem Erlös sollen Celonics Wirkstoffe weiterentwickelt werden

http://www.transkript.de/menschen/mensch-und-unternehmen/andreas-herrmann-der-prinzipiell-spontane.html

Artikel-Archiv

16.06.2016 „Der Großteil der Leute, mit denen wir Pharmazie studiert haben, stammt aus Apothekerfamilien“, erinnert sich Kilian Guse. Die meisten davon dürfte es dann auch vom Hörsaal der Universität Frankfurt am Main schnurstracks zurück ins elterliche Geschäft gezogen haben.

GeneQuine

Für Guse und seinen Kommilitonen Stanislav Plutizki stand das indes nie zur Diskussion: „Wir wollten etwas eigenes auf die Beine stellen.“ Eine erste, noch in Frankfurt entwickelte Geschäftsidee wird noch als „zu unausgereift“ verworfen. Die beiden Pharmazeuten verlassen die Mainmetropole, um sich erste Sporen in der Wissenschaftswelt zu verdienen. Mit einem Doktortitel dekoriert trifft man sich nach ein paar Jahren in Berlin wieder. „Damals habe ich mich als Postdoc am Baylor College of Medicine in Houston in den USA bereits mit dem Thema Gentherapie beschäftigt“, erinnert sich Guse. Die German Scholars Organization hatte 100 deutsche Wissenschaftler aus dem Ausland in die Hauptstadt gelockt, um sie von den Karrieremöglichkeiten in der Heimat zu überzeugen – inklusive eines Empfangs beim Bundespräsidenten. Da Plutizki mittlerweile bei einem Pharmakonzern in Berlin arbeitete, traf man sich auf ein Bier – und Guse stellte seine neue Idee vor: Basierend auf einer am Baylor College ersonnenen Technologie soll ein auf Gentherapien spezialisierter Wirkstoffentwickler aus der Taufe gehoben werden. Die Reaktion? In den Worten Guses sei Plutizki „sofort Feuer und Flamme“ gewesen. „Nach meiner Zeit in der Pharmaindustrie war mir klar, dass ich gern mehr Verantwortung übernehmen würde. Die Entwicklung eines Wirkstoffs von Anfang bis Ende ist da natürlich die perfekte Aufgabe“, so Plutizki. 

Dass Genequine dann 2012 in Deutschland gegründet wird, liegt an einem überzeugten und überzeugenden Alexander von Frankenberg. Guse traf den Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds auf besagter Veranstaltung mit dem Bundespräsidenten, wo er ihm seine Idee zwischen Champagner und Schnittchen kurz umreißen konnte.

Aufgrund des großen ungedeckten medizinischen Bedarfs konzentriert sich die Genequine Biotherapeutics GmbH derzeit auf die Indikation Arthrose. Als Genfähre kommt ein sogenannter Helfer-abhängiger adenoviraler Vektor zum Einsatz. Das Fernziel ist eine Humantherapie, den ersten Schritt machen Guse und Plutizki aber beim Pferd. „Die Entwicklung von Arzneimitteln für Tiere ist deutlich weniger anspruchsvoll als die von Humanarzneimitteln. Außerdem ist das Entwicklungsrisiko niedriger und die Kosten sind hundertmal geringer“, erläutert Guse. Dass die Wahl auf das Pferd fiel, lag nicht im Geringsten an einer privaten Vorliebe. Mit dem Reiten hatten und haben beide nichts am Hut. Laut Plutizki waren es wissenschaftliche und wirtschaftliche Gründe. So sei das Arthrose-bedingte Lahmen das zweitgrößte Gesundheitsproblem bei Pferden. Dazu kommt, dass ein durchschnittlicher Pferdebesitzer durchaus bereit ist, viel Geld für deren Gesundheit auszugeben – „gerade wenn es um das Lieblingspferd der Tochter geht“. 

Derzeit basteln die zwei Gründer an der Folgefinanzierung, damit das Team aufgestockt, ein eigenes Labor eingerichtet und weitere Studien finanziert werden können. Dem Beispiel des Gentherapie-Pioniers Uniqure folgend soll Genequines Methode zu einer Plattformtechnologie ausgebaut werden. „Wagniskapital zu bekommen ist eine Herausforderung“, seufzt Guse, denn „obwohl allgemein Geld in Deutschland vorhanden ist, sieht es speziell bei der Arzneimittelentwicklung eher mau aus.“ Mehr Wagniskapitalgeber und aufgeschlossener gegenüber neuen Ansätzen wie der Gentherapie – womöglich wäre die Finanzierung in den USA schneller über die Bühne gegangen, vermutet der 37-Jährige. „Klar ist die Zukunft in einem jungen Biotech-Unternehmen oft ungewiss“, räumt er ein und schiebt lachend nach: „Doch in der Apotheke meiner Eltern wäre es mir zu langweilig geworden!“ Von den Möglichkeiten der Gentherapie sei er aber auch nach zehn Jahren Arbeit auf dem Gebiet „immer noch so fasziniert wie am ersten Tag“. 

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Foto: Die zwei Gründer teilen sich die Geschäftsführung: Stanislav Plutizki (l., 38) kümmert sich um den regulatorisch-medizinischen Bereich, Kilian Guse (37) hält die betriebswirtschaftlichen und wissenschaftlichen Fäden in der Hand.

12.05.2016 Als das Gespräch auf ein jüngst angelaufenes Forschungsprojekt zur Sortierung von Kaffeebohnen mit einem arrivierten Lebensmittelkonzern fällt, lässt der gebürtige Italiener Francesco Dell‘Endice eine Bemerkung fallen, der man nur uneingeschränkt zustimmen kann: „Es wird ja noch viel zu oft schlechter Kaffee ausgeschenkt!“

QualySense

Qualysense will hier für Abhilfe sorgen. Mit einem Team von 23 Leuten in der Schweiz - fünf weitere sollen noch 2016 in Chicago hinzukommen - entwickelt und baut Dell'Endice Roboter, welche Bohnen, Körner und Samen sowohl von Fremdkörpern trennen als auch voneinander nach definierten Kriterien sortieren können. Maschinen, die anhand von Größe, Form und Farbe auswählen, gab es bereits vorher. Die Sortieranlage von Qualysense kann zudem die Gesamtzusammensetzung der Probe analysieren. Damit sind zum Beispiel Aussagen zum Glutengehalt von Weizenkörnern oder Proteingehalt von Sojabohnen möglich. Besonders US-Kunden haben Gefallen an der Anlage gefunden. Ein Jahr nach Vermarktungsstart macht Qualysense 80% seines - zweifelsohne noch überschaubaren - Umsatzes mit Konzernen wie General Mills, Dupont und Pepsico. Zum einen rühren die Bande mit den USA von einer jahrelangen Forschungskooperation mit deren Landwirtschaftsministerium her. "Zum anderen herrscht dort eine andere Mentalität, was Innovationen angeht. Die Menschen sind es gewöhnt, auch einmal Risiken einzugehen", zeigt sich Dell'Endice begeistert.

Als einer von drei Gründern ist der studierte Luftfahrtingenieur klar die treibende Kraft. Nach Stationen in Frankreich und Australien wollte er in seiner süditalienischen Heimat zunächst eine Firma gründen, die aus Satellitendaten konkrete Handlungsvorschläge für ein besseres Wassermanagement ableitet. Doch der korrupte Filz von Politik und Wirtschaft ließ ihn „vollkommen demotiviert“ außen vor. Stattdessen begann er 2005 an der Universität Zürich an seiner Promotion zu arbeiten. In dem Projekt mit der Europäischen Weltraumorganisation wurden Technologien für Satelliten entwickelt, die halfen, Bewuchs und Zustand der Erdoberfläche vom All aus zu bestimmen. Den Doktorgrad erlangte er noch, dann konstatierte er: „Grundlagenforschung ermüdet mich. Mir geht das alles zu langsam.“ Gesagt, getan. Dell‘Endice steckte die Erkundungstechnik in einen Kasten und packte eine Sortierfunktion dazu – fertig war die Produktidee, mit der er sich 2010 beim Schweizer Venturekick-Wettstreit beteiligte. „Am Morgen hielt ich den Vortrag und am Abend kam die E-Mail, dass wir dabei sind“, so Dell‘Endice. Wichtig war nicht der eingeheimste Betrag von 10.000 CHF, sondern „der Kick, dass jemand an deine Idee glaubt“. 

Noch im selben Jahr wurde die Qualysense AG gegründet. Mit dabei war Landsmann und Automatisierungsexperte Paolo D‘Alcini, der sich eigentlich mit seiner eigenen Geschäftsidee selbständig machen wollte. „Ich habe ihn überzeugt, dass meine Idee einfach besser ist und er bei uns mitmachen sollte“, erinnert sich der Qualysense-Chef. Mit der Ukrainerin Olga Peters vervollständigte eine alte Bekannte von Dell‘Endice das Gründerteam. Die damals 21-Jährige studierte noch Bank- und Finanzwesen. „Paolo kümmert sich um den laufenden Betrieb. Olga hat in den Bereichen Finanzen, Verwaltung und Personal den Hut auf.“ 

Für die ersten Versuche wurden Geräte und Werkzeuge leihweise – und entgegen den Gepflogenheiten in der Schweiz nicht ganz koscher – in Dell‘Endices Wohnung geschafft. Nach fünf Monaten zog die junge Firma dann in die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt in Dübendorf um, wo sie bis zu ihrem Auszug 2015 gehegt und gepflegt wurde. Jetzt residiert Qualysense in einer Werkhalle nahe Zürich, wo die Geräte zusammengeschraubt werden. Die Halle wurde nötig, denn Dell‘Endice hat Großes vor: „Bislang werden unsere Roboter vor allem in der Qualitätskontrolle und Produktentwicklung eingesetzt. Mit dem Kaffee-Projekt wollen wir einen Schritt in Richtung Produktion machen.“ Statt 10 kg in der Stunde wie die derzeitige Anlage soll die neue Einheit 2.000 kg Durchsatz bewältigen. „Wenn uns das gelingt, dann wird man das bald in der Kaffeetasse merken“, ist sich Dell‘Endice sicher.

 m.laqua[at]biocom.de

Auf dem Foto: Italienisch-ukrainisches Trio: die Firmengründer Paolo D‘Alcini (41, COO, li.), Olga Peters (27, CFO, li.) und Francesco Dell‘Endice (36, CEO).

07.04.2016 „Die US-Amerikaner lieben unseren Namen“, erzählt Christian Hennig. „Sie sprechen ihn immer sehr knarzig cell craft aus. Das ist so einzigartig, das prägt sich ein.“ Hennig leitet die Geschicke der in Hannover gegründeten Zellkraftwerk GmbH gemeinsam mit Jan Detmers.

Zellkraftwerk

Das erklärte Ziel der beiden: „Wir wollen Spaß haben und richtig coole Produkte bauen.“ Die Rollenverteilung ist klar: Hennig kommt mit neuen Ideen, Detmers stutzt sie auf das Machbare zurecht. Hennig setzt sie um, Detmers tingelt durch die Lande und bringt die fertigen Produkte an die Frau und den Mann.

Die Produktpalette zu beschreiben, ist alles andere als einfach. Angefangen hat es mit einem System für die Hochdurchsatzzytometrie. Mit dem Zellscanner One kann durch geschicktes Proben- und Färbemanagement ein und derselbe Objektträger mit Zellen oder Gewebe auf die Präsenz von bis zu 80 verschiedenen Biomarkern untersucht werden. „Bis heute Weltrekord!“ so Detmers stolz. Dann folgten mit dem Robotersystem Cytobot, dem Transportbehälter Zellsafe und der Programmierung der nötigen Software weitere Puzzlestücke auf dem Weg zu einem Komplettsystem für die Biomarkeranalyse. Logisch, dass Zellkraftwerk längst den Schritt von einem reinen Gerätehersteller zu einem Dienstleister gemacht hat. „Wir etablieren klinische Assays bis Phase II. Hierbei sammeln von uns angelernte Labormitarbeiter die Proben in den Studienzentren und schicken sie zur Analyse zu einem Cytobot-Standort“, erläutert Hennig. Das Management der großen Datenmengen und deren Visualisierung hat Zellkraftwerk schon im Griff, jetzt wird mit der Probenentnahme und -verarbeitung das nächste Problem angegangen. Dafür zieht die auf 16 Mitarbeiter gewachsene Firma dieser Tage nach Leipzig. Dort ist das Start-up Cellcopedia zu Hause. Das Ziel der Partner: Cellcopedias vollautomatisches Blutaufbereitungssystem soll nahtlos in das Zellkraftwerk-Ökosystem integriert werden. Dafür wurden Hennig und Co. auch mit dem Verweis auf großzügige Fördermittel der Sächsischen Aufbaubank abgeworben. In Hannover wird nur noch ein kleiner Teil des Teams bleiben, der die Assay-Entwicklung betreibt.  

Eigentlich ist Hennig Arzt – „wie fast alle in meiner Familie“. Seine unternehmerische Ader entdeckte er aber früh. So war er im Jahr 2000 am Aufbau des Sequenzierungsspezialisten Genovoxx beteiligt. Die Idee zur Gründung von Zellkraftwerk wurde 2011 durch eine GO-Bio-Förderung des BMBF befeuert. Nach einer Kennenlernphase entstand entstand Zellkraftwerk Anfang 2014 dann als GmbH. „Die drei Ziele für unser erstes Jahr haben wir uns tatsächlich aufgeschrieben: Wir wollten sehen, ob wir uns danach noch verstehen, ob der Markt unsere Produkte wirklich nachfragt und ob wir 100.000 Euro Gewinn erzielen.“ Das Ergebnis? Dreimal ein unverrückbares Ja. 

„Die Lebensqualität ist bei Firmengründern trotz des ganzen Stresses sehr hoch – gerade im Vergleich zum Arztberuf“, ist sich der 41-Jährige sicher. Als großen Vorteil sieht er die freie Zeiteinteilung an: „Ich kann durchaus auch einmal unter der Woche etwas mit meiner kleinen Tochter unternehmen, Fußball oder Tennis spielen gehen. Dafür arbeite ich dann abends oder am Wochenende.“ Auch der Spaß mit dem Team kommt nicht zu kurz: „Wir machen in der Freizeit viel zusammen. Kürzlich haben wir zum Beispiel mal Lasertag ausprobiert.“ 

Im Gespräch merkt man schnell: Hennig ist ein politischer Mensch, dem Deutschland am Herzen liegt. Zwar arbeitet Zellkraftwerk mit 9 der weltweiten Top 12 Pharmafirmen zusammen. Dass ausgerechnet die deutschen Konzerne kein Interesse zeigen, das ärgert ihn ein wenig. Für die Firmenentwicklung ist das indes unerheblich. Zellkraftwerk segelt auf einem stabilen Wachstumskurs – und das ganz ohne Risikokapital. „Jans und meine Erfahrung ist, dass Risikokapital in Deutschland im Biotechbereich nur sehr bedingt funktioniert“, so Hennig. Zwar stünden im Bedarfsfall ein paar wohlgesonnene Business Angels als Geldgeber bereit. Doch derzeit bleiben die Zellkraftwerkler ihrem Mantra treu: „Eine Firma muss Geld verdienen, nicht Geld verbrennen.“ 

m.laqua@biocom.de

Auf dem Foto: Die Geschäftsführung des Zellkraftwerks liegt in den Händen der beiden Gründer Jan Detmers (l.) und Christian Hennig. Detmers kümmert sich um Vertrieb und Geschäftszahlen, Hennig um Forschung und Produktentwicklung.

10.03.2016 "Eigentlich bin ich ja Pessimist", beginnt Ramon Kranaster nachdenklich. Dann ist ein kleiner Gefühlsumschwung spürbar und er setzt mit einem Lächeln fort: "Derzeit fällt mir das aber ziemlich schwer. Es läuft nämlich richtig gut."

Mypols/Mathias Drum

Als Geschäftsführer der Mypols Biotec GmbH verschickt er vom Bodensee aus Polymerasen in die ganze Welt. Mypols bietet die Enzyme für Pathogen-Nachweise, für die DNA- und RNA-Diagnostik oder auch für forensische Probleme an. Das Geld wird zum einen über den Online-Verkauf von zehn Basispolymerasen, zum anderen über die Entwicklung von Spezialpolymerasen nach Kundenwunsch eingespielt.

"Ich bin froh, dass wir das so geschafft haben." Diese Erleichterung nimmt man Kranaster ohne weiteres ab, denn, wie er selbst sagt: "Dass wir erfolgreich sein könnten, war nicht direkt offensichtlich." Anbieter von Polymerasen gab und gibt es zuhauf. Da aber bei vielen Anwendungen in den Bereichen Sequenzierung oder Assays die Wildtyp-Version ungeeignet ist, eröffnete sich eine Nische: "Die Natur hat die DNA-Polymerasen nicht für PCR und Co. optimiert. Das haben wir mit Hilfe gerichteter Evolution und rationalem Design gemacht." Für die Erleichterung über den Erfolg von Mypols gibt es aber noch einen zweiten Grund. Mit der Prolago Biotec verlief 2013 ein erstes Gründungsprojekt Kranasters im Sande. "Wir hatten damals die Vision, die Krebsfrüherkennung zu revolutionieren", erinnert er sich. Die Idee zur Bestimmung des epigenetischen Status von Onko- und Tumorsupressorgenen mittels einer speziellen DNA-Polymerase war bestechend, die Verwirklichung eines präsentierbaren Produkts scheiterte jedoch und nach einem Jahr löste sich das Team auf.

Ein Teil der Gründertruppe verstaute daraufhin den Gründergeist wieder in der Flasche. Nicht aber Kranaster und Mypols' Spiritus rector Andreas Marx: Basierend auf zwei weiteren Erfindungsmeldungen aus dem Universitätslabor von Marx wurde Mypols als Ausgründung der Universität Konstanz ins Leben gerufen. Überzeugt von der neuen Idee stieg auch Marx' Ehefrau Simone als Mitgründerin ein. "Die beiden sind nicht am Tagesgeschäftigt beteiligt. Sein Know-how in Sachen DNA-Polymerasen ist aber Gold wert. Ohne ihn würde es kein Mypols geben. Sie hingegen bringt mit ihrem Hintergrund in PR und Marketing frische Ideen in die Firma ein", fasst Kranaster die Rolle seiner Mitgründer zusammen.

Mittlerweile beschäftigt Mypols fünf Angestellte - allesamt "Leute, die sich berufen fühlen, bei Mypols zu arbeiten", versichert der Chef. Dass es auch anders sein kann, weiß er selbst am besten. Nach seiner Promotion heuerte der junge Biologe in London bei Touchlight Genetics an. "Die arbeiten an Impfstoffen auf DNA-Basis. Ich fand das superinteressant", blickt er zurück. Als Polymerase-Spezialist wurde der 35-Jährige dort mit Kusshand empfangen. Anders als Mypols ist Touchlight ein klassisches Biotech-Start-up mit Risikokapitalhintergrund. Obwohl es dem Schwaben in London gut gefiel, bemerkte er bald, dass er nicht 100%ig hinter der Technologie und der Geschäftsidee des Start-ups stand: "Ich habe den erfolgreichen Exit nicht vor Augen gehabt. Als sich dann die Möglichkeit zu Gründung der Prolago Biotec abzeichnete, bin ich zurück nach Konstanz." Dass dort statt Risikokapital ein EXIST-Stipendium wartete, störte ihn überhaupt nicht: "Wir empfanden das Thema Risikokapital immer ein bisschen unheimlich. Man hat subjektiv das Gefühl, dass man als Gründer ausgenommen wird."

Auch bei Mypols war und ist Risikokapital kein Thema. Das organische Wachstum kann sich sehen lassen. Wenn alles nach Plan läuft, zieht die Firma 2017 von der Universität weg in ein Gründerzentrum am Rande der Stadt. "Am liebsten wäre ich der weltweit führende Spezialist für maßgeschneiderte DNA-Polymerasen", schaut Kranaster in die Zukunft. "Mit schnelleren, robusteren und preiswerteren Polymerasen könnten wir viele Diagnostik- und und Sequenzierungsanwendungen für den Massenmarkt erschwinglich machen." Dieser Satz macht klar, wohin die ambitionierte Reise gehen soll. Doch gleich darauf erdet sich der junge Gründer selbst: "Ständig irgendwelche Zukunftsszenarien im Kopf durchzuspielen bringt ja nicht so viel. Was zählt ist das Hier und Jetzt!" Eine forsche Ansage eines selbsternannten Pessimisten - man darf gespannt sein, wie es mit Mypols weitergeht.

m.laqua[at]biocom.de

Auf dem Foto: Hinter Mypols-Chef Dr. Ramon Kranaster (l.) steht sein ehemaliger Doktorvater, Universitätsprofessor Dr. Andreas Marx. Außerdem im Team: Dr. Matthias Drum (Produktionsleiter), Jessica Zeller (Trainee) und Birgit Köhn (Masterstudentin).

11.02.2016 Ein Büro? – Gibt es nicht. Aber ein Labor? – Auch Fehlanzeige. „Vorerst ist Cyprumed eine Art virtuelles Pharmaunternehmen. Alle Forschungsaktivitäten sind ausgelagert“, führt Florian Föger aus.

Cyprumed

Die Fixkosten für Büro, Laborausrüstung und Fachkräfte spart sich der Gründer der Cyprumed GmbH damit. "Da zudem alle von uns beauftragten Firmen zertifiziert sind, haben unsere Ergebnisse ein stärkeres Gewicht, als wenn die Experimente zum Beispiel in einem Universitätslabor gemacht worden wären", ist er sich sicher.

Pille statt Spritze - so könnte das Motto des österreichischen Start-ups lauten. Einerseits ist eine Kapsel oder Tablette die beliebteste Einnahmevariante für einen Wirkstoff. Andererseits sind die meisten biologischen Wirkstoffe für diese Aufnahmeroute ungeeignet, weil sie im Darm abgebaut werden. Genau hier setzt Fögers Cyprumed an. Dank einer besseren Formulierung soll der enzymatische Abbau der Wirkstoffe im Verdauungstrakt verzögert werden. Die Wirkstoffe selbst werden dabei nicht verändert. In der Tablette werden sie nur mit verschiedenen, bereits zugelassenen pharmazeutischen Hilfsstoffen kombiniert, die alle relevanten Abbauenzyme selektiv und kurzfristig blockieren. Föger kann hier auf mehr als 10 Jahre Erfahrung mit oralen Darreichungstechnologien für Peptidwirkstoffe zurückgreifen: "Jeder kennt diese Hilfsstoffe, aber nicht im Zusammenhang mit der oralen Bioverfügbarkeit. Das ist eine komplett neue Erfindung."

Den – "für viele Leute in meinem Umfeld überraschenden" – Schritt in die Selbständigkeit begründet der Wissenschaftler mit dem "ganz besonderen Reiz, den so eine eigene Unternehmung hat." Eigentlich habe er schon als Doktorand mit der Idee gespielt, Unternehmer zu werden. Dann kamen aber sieben Jahre Kletterei auf der Karriereleiter bei Novo Nordisk dazwischen. Doch mit der Zeit vermisste er bei dem dänischen Diabetes-Spezialisten die Möglichkeit, Einfluss auf das "große Ganze" zu nehmen. Hinzu kam, dass seiner Meinung nach der Konzern dem Bereich Formulierung nicht genügend Wert beimaß. Föger weiter: "Mit Cyprumed baue ich auf das langfristige Potential unserer Idee. Schaffen wir es, eine Plattformtechnologie zu etablieren, dann steht uns ein Markt von mehr als 100 zugelassenen Wirkstoffen offen."

Es überrascht kaum, dass der gebürtige Tiroler als Geschäftsführer nun mehr Verantwortung trägt und freier entscheiden kann. Für ihn unerwartet hat er seit dem Wechsel von Konzern zu Start-up 2014 die vielzitierte "Work-Life-Balance" deutlich besser im Griff: "Zuletzt war ich bei Novo Nordisk Chef einer Gruppe von 20 Leuten. Das bedeutete eine Menge Reportings und Erreichbarkeit rund um die Uhr - übrigens auch im Urlaub." Bei Cyprumed war der Pharmazeut zunächst einmal auf sich allein gestellt. Der erste - und bis auf weiteres einzige - Mitarbeiter stieß erst Anfang 2016 dazu. "Wir wollen die Firma frühestens am Ende der ersten Phase I-Studie aus der virtuellen Phase entlassen - mit Mitarbeitern, Büro, Labor und allem, was dazu gehört", verrät Föger.

Mit "wir" meint er insbesondere seine "ziemlich stark eingebundenen" Business Angels, Mentoren und Beiräte Jürg Meier und Uwe Jacob. Meier leitete unter anderem den Novartis Venture Fund, Jacob war einer der Suppremol-Gründer. Regelmäßig steht ein Treffen mit den beiden Biotech-Urgesteinen in Innsbruck im Kalender. Oft wird diskutiert, mit welchen Wirkstoffen Cyprumeds Formulierung getestet werden soll. Im Spannungsfeld von Marktvolumen, Patentsituation und Konkurrenzprojekten hat sich mittlerweile das Osteoporosemittel Teriparatid an die Spitze der Pipeline gesetzt. Die präklinischen Versuche sind fast abgeschlossen. Nun stehen für die orale Formulierung des Mittels die Phase I-Tests an.

Mit seiner Idee und deren Umsetzung hat Föger bereits etliche Preise und Fördergelder einkassiert. Nach einer "Preseed"-Finanzierung von 200.000 Euro bekam der Jungunternehmer vor wenigen Wochen die Zusage für weitere mehr als 1 Mio. Euro "Seed"-Finanzierung. Laut Föger waren die verantwortlichen Förderstellen überrascht, dass mit so wenig Kapital so viel erreicht wurde. Logisch, dass da auch das Risikokapital anklopft. Aber das muss Föger zufolge vorerst warten: "Die Phase I schaffen wir so! Das Geld reicht voraussichtlich zwei Jahre." Ist die Cyprumed so genügsam, wie er sie darstellt, könnte der Plan aufgehen.

m.laqua[at]biocom.de

Auf dem Foto: Cyprumed-Gründer Dr. Florian Föger (Mitte) und die Firmenbeiräte Prof. Dr. Uwe Jacob (l.) und Dr. Jürg Meier

23.12.2015 Über mangelnde Anerkennung kann sich die Nanolive AG in Lausanne wahrlich nicht beschweren: Die Schweizer haben seit ihrer Gründung vor etwas mehr als zwei Jahren jede Menge Urkunden und Pokale abgeräumt.

Nanolive

Der jüngste Zugang: Anfang Dezember wurde Nanolives "3D Cell Explorer" vom US-Wissenschaftsblatt The Scientist als eine der Top 10-Innovationen des Jahres geadelt. "Unser Mikroskop erlaubt zum allerersten Mal, das Innenleben einer lebenden Zelle zerstörungsfrei und in 3D zu visualisieren - und das innerhalb von weniger als einer Sekunde", fasst einer der fünf Gründer und jetzige Geschäftsführer Yann Cotte Nanolives Erfindung knapp zusammen. Ein eher im Hintergrund aktiver Gründer ist Christian Depeursinge, ein mittlerweile pensionierter Professor der EPF Lausanne und einer der Ideengeber der holographischen Mikroskopie. In seiner Gruppe fertigten Yann und der mittlerweile zum Assistenz-Professor in Istanbul berufene Mitgründer Fatih Toy ihre Doktorarbeiten an. Holographische Mikroskope basieren auf der Auswertung der Phasenverschiebung eines zweigeteilten Laserstrahls, von dem der eine Teil vom Objekt gestreut wird. Allerdings hakte es bei diesen Systemen bisher noch bei der Auflösung. "Wir wollten diese auf das Niveau der hoch auflösenden Fluoreszenzmikroskopie bringen", erzählt Yann. Der Kniff: Der Laser wird geneigt und von der Seite auf die Probe geworfen. Außerdem wird er rund um die Probe gedreht, was zum einen futuristisch anmutet, zum anderen die Auflösung in alle Richtungen verbessert. Nach der Rekonstruktion am Computer standen unter Optimalbedingungen am Ende 70 nm unter dem Strich - deutlich besser als die 300 nm bei konventioneller Bildgebung von lebenden Zellen. Die derzeit in Lausanne zusammengeschraubten Geräte schaffen immerhin 200 nm Auflösung. Wenn in den nächsten Wochen die Auftragsfertigung anläuft, sollen bald 100 nm drin sein, verspricht der Lockenkopf.

Für die Gründung von Nanolive gibt es übrigens ein Initialmoment: "Als Physiker hatte ich ja zunächst nichts mit Zellen zu tun. Ich war einfach nur stolz auf das Ergebnis meiner Doktorarbeit", so der 33-Jährige. Der alles verändernde Anstoß kam von einem der Gutachter der Fachpublikation: "Habt ihr damit statt Löcher auf einer Platte schon einmal Zellen abgebildet?" Das Team machte daraufhin ein paar beeindruckende 3D-Rekonstruktionen von Neuronen samt deren Feinstruktur und Zellorganellen, die prompt um die Welt gingen. "Ich habe die Aufregung im ersten Moment gar nicht verstanden", kokettiert Yann. Die Kombination aus Markerunabhängigkeit, hoher Auflösung, Zeitrafferoption und 3D-Veranschaulichung ist in der Art einmalig, was übrigens auch die Geldgeber so sehen. Nanolive ist privat finanziert und hat inzwischen 2,7 Mio. CHF eingesammelt. Die 40 "handverlesenen" Investoren sind laut Yann auf fast alle Kontinente verteilt. "Unsere Investoren sind richtige Fans unserer Technologie. Mehrheitlich sind sie keine klassischen Business Angels, sondern Erstinvestoren, die oftmals über das erstklassige Netzwerk der EPFL auf uns aufmerksam geworden sind", lobt der Geschäftsführer und zieht in Sachen Gründerfreundlichkeit einen interessanten Vergleich: "Lausanne ist das Berlin der Schweiz!"

Neben Christian, Fatih und Yann gehören Sébastien Equis und Andreas Kern zu den Gründern. "Beide kannte ich seit vielen Jahren und beide brannten für das Projekt Nanolive", erinnert sich der gebürtige Bayer Yann. Einige Gründer - Nanolive wird derzeit in erster Linie von Yann und Sébastien vorangetrieben - und Mitarbeiter sind inzwischen nicht mehr mit dabei. Der CEO ist sich sicher, dass aus gutem Grund Firmengründer meistens etwas jünger sind: "Man muss seinem Baby viel Zeit widmen. Diese Vereinbarkeit ist nicht immer bei jedem für immer oder zumindest für eine längere Zeit gegeben." Von den Gründern habe aber heute jeder seine Rolle gefunden, wie er am besten zum Wohl der auf 12 Köpfe gewachsenen Nanolive beitragen kann. Das aktuelle Team könne den schnellen Takt jedenfalls mitgehen, ist sich Yann sicher: "Die Arbeit für ein Start-up ist für viele ja auch eine Art Beschleuniger für die Selbstfindung: Was will ich eigentlich in meinem Leben machen?"

Auf dem Foto: Drei der fünf Gründer von Nanolive am Genfer See (v. l.): Dipl.-Physiker Dr. Andreas Kern, Dipl.-Physiker Dr. Yann Cotte und Dr. Sébastien Equis (MS in Optik)

m.laqua@biocom.de

12.11.2015 "Cytena ist definitiv nicht die klassische Gründungsgeschichte", hebt Geschäftsführer Jonas Schöndube erst einmal hervor. Auf den ersten Blick ist man geneigt, ihm zu widersprechen:

Cytena

Cytena basiert auf Vorarbeiten eines EU-geförderten Forschungsprojekts, ist eine Ausgründung der Universität Freiburg, erhält zunächst Geld über das BMWi-Programm EXIST-Forschungstransfer und gewinnt später Investoren, die gleich einmal 1,1 Mio. Euro lockermachen. Soweit, so erfolgreich. Aber wie hebt Cytena sich jetzt von der "klassischen Gründung" ab? Der zuletzt zum Team gestoßene der vier Gründer, Wirtschaftswissenschaftler Benjamin Steimle, klärt auf: "Naja, wie man sieht, sind drei von uns etwa 30 Jahre alt - nur Peter ist dann doch etwas älter." - "Obwohl er sich gut gehalten hat!" schiebt André Groß nach, der dritte der jungen Fraktion. Der mit dem etwas widersprüchlichen, aber lieb gemeinten Lob Bedachte ist Peter Koltay. Der erfahrene Wissenschaftler arbeitet am Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK) der Universität Freiburg und brachte mit seiner Idee, ein System zur Vereinzelung von Zellen zu entwickeln, das Ganze erst ins Rollen. Nach der Bewilligung des von ihm eingereichten EU-Projekts holte er sich 2010 Jonas und André als Doktoranden ans Institut. Für die zwei hat er gleich ein echtes Lob parat: "Sie haben der Idee letztendlich zusammen mit den Projektpartnern Leben eingehaucht."

Das über die Jahre entwickelte Produkt von Cytena ist ein Laborgerät, das Zellen in Suspension schnell und schonend vereinzeln kann. Einzelzellen werden bei der Entwicklung von Biologika sowie bei der genetischen Analyse von Zellen in der Krebs- und Stammzellforschung benötigt. Bislang werden sie von Hand isoliert oder über Verdünnungsreihen gewonnen. "Diese Alternativen sind zu langsam, stressen die Zellen oder können nicht garantieren, dass in jedem Gefäß auch wirklich eine einzige Zelle landet", skizziert Jonas die Ausgangslage. Der Einzelzelldrucker tropft - beziehungsweise druckt - die Flüssigkeit samt Zelle in das Zielgefäß. Ein System aus Mikroskop und Software garantiert, dass dabei Tropfen ohne Zelle oder mit zwei oder mehr Zellen aussortiert werden. Erste Prototypen kamen bereits 2011 innerhalb des EU-Projekts zum Einsatz. "Das Gefühl nach der Auslieferung des ersten Geräts war unbeschreiblich", erzählt André. "Erst da war uns das Potential der Technologie so richtig klar. Es gibt tatsächlich genügend Kunden, die uns das Gerät förmlich aus den Händen reißen."

Doch zurück zur Gründungsgeschichte: "Ehrlich gesagt, fällt Peter nicht in erster Linie wegen seines Alters aus dem Rahmen", bringt es Ben auf den Punkt. Peter ist akademischer Oberrat - und er ist bereits erfolgreicher Gründer: Seine 2005 gegründete Biofluidix GmbH steuerte bei der Gründung von Cytena im Sommer 2014 einen Teil des Stammkapitals und einiges an Know-how bei. "Klar hatten wir zuerst die Idee, die Kommerzialisierung unseres Einzelzelldruckers innerhalb von Biofluidix voranzutreiben", erinnert sich Peter. "Doch wir haben schnell erkannt, dass dafür die vorhandenen Ressourcen nicht ausreichen - und wir Wagniskapital brauchen." Jonas pflichtet ihm bei: "Bei der Investorenansprache ist es besser, ein klar verständliches Produkt für einen klar abgegrenzten Markt zu haben." Das wäre für Biofluidix nicht so einfach zu machen gewesen. "Ich bin daher froh, dass Jonas und André die Ausgründungsidee gut fanden. Hätten sie keine Lust gehabt, dann wäre das Projekt wohl im Sande verlaufen", vergegenwärtigt sich Peter - der übrigens als einziger der vier Gründer nicht zu den mittlerweile sieben Angestellten Cytenas gehört - die Situation damals.

Ein Glücksfall, dass es anders gekommen ist. "Cytena entwickelt sich viel besser, als wir alle zu hoffen gewagt haben", zeigt sich Peter begeistert. "Risikokapital zu finden war zwar nervenaufreibend, aber nicht ganz so schwierig, wie ich es mir ausgemalt hatte." Jonas nimmt gar das G-Wort in den Mund: "Bei der Firmenentwicklung liegen wir vor dem Plan und die Stimmung im Team könnte nicht besser sein. Man spürt ihn tatsächlich, den vielzitierten Gründergeist."

Auf dem Foto: Wiederholungsgründer Dr. Peter Koltay (Dipl.-Phys.) lässt auch bei den Fotoaufnahmen die Hemdsärmel hochgekrempelt. Was aber nicht bedeutet, dass André Gross (Dipl.-Ing.), Benjamin Steimle (Dipl.-Vw.) und Jonas Schöndube (M.Sc.) weniger tatkräftig beim Aufbau von Cytena sind.

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14.10.2015 "Wir wollen einen neuen Standard für die Zellanalyse etablieren." Diese Ansage strotzt vor Überzeugung. Anderswo wurde David Wehner gar mit dem Plan zitiert, "die Mikroskopie überflüssig zu machen".

Venneos GmbH

Doch der Venneos-Mitgründer stellt klar: "Das wäre eine vermessene Aussage, aber es gibt auf jeden Fall Anwendungs-bereiche, in denen wir besser sind." Das mag auch der Grund sein, warum Wagniskapitalgeber die Venneos GmbH kürzlich mit einer Startfinanzierung in Höhe von 1 Mio. Euro weich gebettet haben. Vom High-Tech Gründerfonds vernahm man sogar das Buzzword "disruptive Technologie". Venneos entwickelt ein Siliziumchip-basiertes Imaging-System für die Analyse von Zellen. Die Geschäftsidee ist spannend, intuitiv ist sie indes nicht. Jonas Lehman, ein weiterer der vier Gründer, plaudert aus dem Nähkästchen: "Siliziumchips werden gemeinhin mit Computern verknüpft und da passen Zellen irgendwie nicht ins Bild. Wenn wir erzählen, dass wir Siliziumchips nehmen und ein paar Zellen draufwerfen, dann halten uns die Leute zuerst für etwas wirr. Oft werden wir auch in die Cyborg-Ecke gestellt."

Vereinfacht gesagt, detektiert Venneos' System die natürlich auftretenden elektrischen Signale, die durch das Anhaften der Zelle auf dem Chip entstehen. Wegen der geringen Größe der einzelnen Messsensoren können einzelne Zellen detektiert werden und die elektrischen Signale als Mikroskopie-ähnliche Bilder dargestellt werden. Als Vorteil gegenüber klassischen Bildgebungsverfahren gilt, dass auch kleinste Regungen der Zellen erkannt werden, die mit anderen Technologien unsichtbar bleiben. Außerdem ist das System automatisierbar und für Echtzeitmonitorings geeignet. Somit werden Experimente objektiver, reproduzierbarer und verlässlicher, glaubt man bei Venneos. "Zell-Zell-Kommunikation, Migration, Vitalität, Adhäsionsverhalten – für uns gilt es jetzt, aus der Fülle der Anwendungsmöglichkeiten einen Assay auszuwählen, mit dem wir in den Markt gehen und die Technologie bekanntmachen", erläutert David. Jonas ergänzt, dass es in der Life-Sciences-Szene Hemmschwellen beim Thema Elektrotechnik abzubauen gilt und verrät, dass "das erste Gerät kompakt sein und einen klar umrissenen Aufgabenbereich haben wird".

Die Grundlagen von Venneos' Geschäftsidee gehen bis ins Jahr 1985 zurück, als Peter Fromherz seine Forschung an Halbleiterelementen und Nervenzellen aufnahm. "In seiner Gruppe am Münchener Max-Planck-Institut (MPI) für Biochemie gab es schon lange die Idee einer Ausgründung," erzählt David. Aufgrund meist persönlicher Gründe wie dem "Unwillen der Freundin" blieben die Pläne in der Schublade - bis Postdoc Ralf Zeitler kurz vor der Emeritierung Fromherz' das Heft an sich riss. "Einer der ersten Mitgründer, Tu Hoang, kam aus der Chip-Industrie und war auf der Suche nach einer neuen Tätigkeit - ein Sechser im Lotto für das Team." David selbst wurde über den Talentpool des UnternehmerTUM-Netzwerks in München akquiriert. "Ich habe dann wiederum Jonas dazugeholt, den ich vom Studium kannte", so der Kopf des Spin-offs. Alle vier Gründer treiben das Projekt gemeinsam voran, für die Außendarstellung sind Jonas und David jedoch maßgeblich zuständig. Flüchtig betrachtet scheint die Gründung von Venneos mit Hilfe des EXIST-Forschungstransfer-Programms nichts Besonderes zu sein. Doch es gab damals ein großes Problem: "Wir hatten zwar Geld. Durch die Emeritierung von Professor Fromherz brauchten wir aber eine neue Bleibe", blickt David zurück. Die Rettung kam vom MPI für Intelligente Systeme in Stuttgart. Hier kam das Team bis zur Gründung der GmbH 2014 unter. Dann folgte der Umzug in die Räume der Technologie-Transfer-Initiative GmbH an der Universität Stuttgart, wo sie noch immer sind. Da sich der Erfolg des Teams auch in einer respektablen, bei Businessplan-Wettbewerben gewonnenen Preisgeldsumme niederschlägt, schmückt seit Kurzem auch ein Kicker das Büro. "Wir sind aktuell auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Da zählt jedes Argument", lautet der trockene Kommentar von Jonas. Falls der Kickertisch wider Erwarten nicht ziehen sollte, dann vielleicht der Köder, den David daraufhin auswirft: "Unsere Technologie ist nicht nur im Bereich der Zellbiologie einsetzbar. Wir haben mit ihr noch ganz andere spannende Sachen vor. Aber das verrate ich erst beim nächsten Interview!"

Auf dem Foto v.l. die Gründer der Venneos GmbH: Jonas Lehmann (Dipl.-Physiker), Dr. Tu Hoang (Dipl.-Ingenieur), David Wehner (Dipl.-Kaufmann), Dr. Ralf Zeitler (Dipl.-Physiker).

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09.09.2015 Oft hat ein gutes Projekt viele geistige Väter. Beim österreichischen Start-up DirectSens, das Schnelltests zur Bestimmung verschiedener Kohlenhydrate entwickelt, sind es genau fünf.

DirektSens

„Nur war leider nicht genügend Geld da, um auch alle fünf Gründer sofort in der Firma anstellen zu können“, skizziert Christoph Sygmund die Lage. Sygmund hat als Geschäftsführer als einziger eine Vollzeitstelle, Mitgründer und Finanzhirn Roman Kittl immerhin eine halbe. Die wenigen vorhandenen Mittel wurden für die Beschäftigung von Fachleuten verwendet – momentan vier Angestellte. „Wenn alles nach Plan läuft, dann kommt von den Gründern  Anfang 2016 noch Alfons dazu“, so Sygmund. Alfons Felice, der derzeit noch an seiner Doktorarbeit schreibt, ist sich sicher, dass der Fokus auf externes Know-how richtig war: „So wollten wir die Expertise, die uns zunächst gefehlt hat, ins Start-up holen.“ Sygmund ergänzt: „Wir fünf haben alle Biotechnologie studiert und somit den gleichen wissenschaftlichen Hintergrund.“

Sygmund, Kittl, Felice und die beiden anderen Gründer Roland Ludwig und Wolfgang Harreither haben sich an der Wiener Universität für Bodenkultur, kurz BOKU, kennengelernt. Die technologische Grundlage für die Biosensoren von DirectSens schuf Ludwig. Er erkannte das Potential der Zellobiose Dehydrogenasen (CDH). Mit deren Hilfe verwerten Pilze in der Natur organisches Material. Ludwig sicherte sich das Patent für die Nutzung in einem Milliardenmarkt: Diabetes. Ein mit einem solchen Enyzm bestückter Sensor soll sich gegen andere Methoden der kontinuierlichen Blutzuckerspiegelmessung durchsetzen. Der DirectSens-Sensor registriert dabei die bei der CDH-Reaktion mit Glukose übertragenen Elektronen direkt. Bei anderen enzymbasierten Tests ist hingegen ein Zwischenmolekül nötig, was auf Kosten der Genauigkeit geht.

„Am Anfang war Roland noch stärker in der Firma engagiert“, sagt Felice. „Mittlerweile ist er jedoch froh, sich wieder mehr um seine Gruppe an der Universität kümmern zu können.“ Auch Wolfgang Harreither hat sich vor allem in der Anfangszeit eingebracht. Er hat aufgezeigt, dass ähnliche Sensoren auch bei anderen Anwendungen kommerziell erfolgreich sein könnten. Sygmund erinnert sich: „Wolfgang war auch der erste, der die Idee in Form eines Businessplans bei einem Gründerwettbewerb vorgestellt hat.“ Anfang 2013 begann die heiße Phase der Firmengründung. Damals drückten besonders Sygmund und Kittl, die „nicht ewig an der Uni rumforschen“ wollten, aufs Gas. „Bei der Entscheidung, allen fünf Gründern je 20% der GmbH zuzusprechen, spielten die Leistungen, die zuvor eingebracht wurden, eine große Rolle. Aber wir haben auch die zukünftig zu leistenden Arbeitspakete berücksichtigt“, erklärt Sygmund. Klar half es bei diesem kniffligen Prozess, dass die fünf nach eigener Aussage schon damals gute Freunde waren. Dass die Gründer rund um die Geburt der Firma unterschiedliche und wechselnde Aufgaben übernommen haben, ist für Felice ein Indiz für die Stärke der Mannschaft: „Unabhängig von der jeweiligen Lebenssituation einer Person konnte so das Projekt stetig vorangetrieben werden.“ Auch wenn erst zwei – und wenn die nächste große Finanzierung gelingt bald drei – Mann in der Firma aktiv sind: Die wichtigen Entscheidungen werden immer noch von allen fünf gemeinsam getroffen.

Das am weitesten fortgeschrittene Produkt von DirectSens ist ein tragbares Messgerät mit integriertem Laktosesensor. Es kommt in einem Wachstumsmarkt zum Einsatz: bei der Herstellung von laktosefreier Milch. Das Gerät ist schneller als derzeit eingesetzte Methoden und verspricht daher den begeisterten Molkereien bares Geld. Die Verhandlungen mit Vertriebspartnern laufen und Sygmund ist zuversichtlich, „ab Anfang 2016 eigene Umsätze vorweisen“ zu können. Während der Laktosetest in Eigenregie vermarktet wird, soll beim Blutzuckertest ein Partner unter die Arme greifen, der sich mit der Zertifizierung von Medizinprodukten auskennt. Sygmund: „Unser Fokus bleibt klar auf der Biosensorkomponente, die dann in ein bestehendes System eines Partners integriert werden kann.“

Eigentlich läuft es für DirectSens gerade richtig gut. Doch auf die Frage, ob er manchmal auch zweifeln würde, prustet Sygmund lachend heraus: „Manchmal zweifeln? Es ist eher so, dass ich ab und zu mal nicht zweifle!“

Auf dem Foto v. l. Alfons Felice, Dr. Roland Ludwig, Dr. Roman Kittl, Dr. Christoph Sygmund und Dr. Wolfgang Harreither (alle Dipl.-Ing.).

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05.08.2015 Diego Gabriel Dupouy sprüht vor Begeisterung: "Wir alle sind geborene Macher, die gern Sachen anschieben. Bei Routinearbeiten langweilen wir uns schnell." Im Team von Lunaphore Technologies SA kümmert sich der gebürtige Argentinier um Forschung und Produktentwicklung.

Lunaphore Technologies@Venture Kick

Dupouy (links im Bild) war es auch, der die Gründung des Start-ups forcierte. Die dafür zwingend nötige, zündende Geschäftsidee hatte Ata Tuna Ciftlik geliefert, sein türkischer Arbeitskollege am EPFL Lausanne. „Als Doktorand habe ich erforscht, wie Immunfärbungen von Geweben mit Mikrofluidik-Technologien verbessert werden können“, erzählt der 31-jährige Ciftlik. Das Ergebnis nach fünf Jahren Arbeit waren ein Patent, eine Reihe hochrangiger Veröffentlichungen – und die Idee für eine eigene Firma. „Wir färben Gewebe auf Objektträgern an“, beginnt Dupouy. „In unseren Hochdruckkammern dauert das fünf Minuten – statt wie jetzt üblich mehrere Stunden.“ Außerdem werde weniger Reagenz benötigt und, das liegt Ciftlik am Herzen, das Fluoreszenzsignal sei linear proportional zur Antigen-Expression: „Bei der herkömmlichen Methode wird ziemlich schnell eine Sättigung erreicht. Die Signalstärke ist weitestgehend unabhängig von der Zahl der Antigenepitope auf der Oberfläche der Probe.“ Bei einem Test mit Geweben von 76 Brustkrebspatientinnen lieferte die neue Färbetechnik auf Anhieb 74 aussagekräftige Ergebnisse. Die Standardmethode schaffte nur 49. Lunaphores Kammern sind also nicht nur schneller, sondern könnten weitere Einsparpotentiale durch den Wegfall von bisher notwendigen Zweittests schaffen. Mit dieser Geschäftsidee im Rücken räumte das Team jede Menge Preise ab. Insgesamt eine halbe Million Franken sind so zusammengekommen. Für die Entstehung von Lunaphore waren die ersten 100.000 Franken einer Innogrant-Förderung wegweisend: „Von dem Geld haben wir eine Praktikumsstelle finanziert – und mit Déborah einen echten Volltreffer gelandet“, sagt Ciftlik. Déborah Heintze hat als einzige im Team Schweizer Wurzeln. Die drei (Dupouy) und fünf (Ciftlik) Jahre älteren Mitstreiter überzeugte sie mit ihrem Arbeitsethos und ihrer Detailversessenheit. „Nach zwei von drei Praktikumsmonaten haben mich die beiden gefragt, ob ich bei der Gründung mit dabeisein möchte“, erinnert sich Heintze. Klar sagt sie zu, denn auch die beiden Herren wissen zu überzeugen: „Ata Tuna weiß alles! Noch dazu hört er bei einem Problem auf die Einwände der anderen und findet dann die bestmögliche Lösung. Diego wiederum hat ein feines Gespür für Fairness und entschärft Spannungen im Team, noch bevor sie offen zutage treten.“ Obwohl Heintze mit 26 Jahren die Jüngste und vom wissenschaftlichen Werdegang her die Unerfahrenste ist, fühlt sie sich ernstgenommen: „Ich agiere auf Augenhöhe mit den beiden. Das schätze ich sehr.“

Mittlerweile zieht die Belegschaft jeden Mittwoch zu sechst zum gemeinsamen „Lunalunch“. Bald soll die Truppe auf zehn anwachsen. Und worauf achtet Ciftlik bei Bewerbern? Nicht unbedingt auf deren Fertigkeiten, denn die können erlernt werden: „Für uns ist es wichtiger, dass die Leute ins Team passen und fest an den Erfolg von Lunaphore glauben.“ 

Das Geld für die Expansion stammt von einer im April geglückten Serie A-Finanzierung über 2 Mio. Franken. „Am schwierigsten ist es, den ersten Investor zu finden. Weitere Geldgeber finden sich dann einfacher“, glaubt Ciftlik. Auf jeden Fall müsse man Ruhe bewahren, denn auch wenn bei der Wagniskapitalsuche alles richtig angepackt wird, „ist man nicht sofort erfolgreich“. Mal stimmt das Timing nicht, mal hat der Investor einen anderen thematischen Fokus, mal reicht das Budget nicht. Wenn die Präsentation knackig und der Businessplan überzeugend sind, dann „wird man irgendwann ein Dreimonatsfenster eines thematisch passenden Fonds erwischen“.

Nach der Finanzierung muss Lunaphore nun liefern. „Wir haben funktionierende Prototypen. Innerhalb von zwei Jahren soll das technische Design der Kammer fertig sein, damit die Studien für die CE-Kennzeichnung beginnen können“, erläutert der Chef. In fünf Jahren soll die Firma verkauft werden. Und dann? Energiebündel Dupouy als Manager? Das tut er sich bestimmt nicht an: „Wenn eine Aufgabe zur Routine wird, dann bekomme ich Depressionen.“ Wahrscheinlich werden die drei wieder gründen. Vielleicht zusammen, vielleicht einzeln. Bereits nach seiner ersten Firmengründung ist sich Ciftlik sicher: „Genau das ist, was ich mag und kann!“ Man ist geneigt, ihm zuzustimmen – so, wie Lunaphore gerade durchstartet.

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