Marc Struhalla: Ein Dickbrettbohrer in Leipzig
28.02.2013 - „Die ersten ein, zwei Jahre haben wir uns durchgekämpft“, bekennt Marc Struhalla offen. Als er 2004 in Leipzig die c-LEcta GmbH gründete, konnte er weder auf viel Biotech-Erfahrung der Technologietransferstelle noch auf ein ausgedehntes Industrienetzwerk bauen.
Die Stadt Leipzig schoss etwas Geld aus einem Investmentfonds zu, was aber schon bald verbraucht war: "Gleich im ersten Jahr mussten wir auf Kurzarbeit umstellen und die operative Tätigkeit fast auf Null zurückfahren", so Struhalla. Dennoch haben die Enzymspezialisten überlebt. Und auch Struhallas Eltern dürften sich mittlerweile an der Firma des Sohnemannes erfreuen. Sie liehen ihm damals Geld, sodass er seinen Teil des Stammkapitals zur Gründung einer GmbH aufbringen konnte. "Insbesondere mein Vater hat sich Sorgen gemacht, ob das Abenteuer Firmengründung eine gute Entscheidung ist", erinnert sich Struhalla, "Ich habe dann aber wohl durchaus glaubwürdig und überzeugend argumentiert." Die Skepsis des Vaters war nachvollziehbar. Immerhin gab es damals eine verlockende Karriereoption in der Wissenschaft - und Struhalla war noch dazu gerade Vater geworden. Doch das Vertrauen hat sich gelohnt. "Als die Firma über den Berg war, war mein Vater natürlich unglaublich stolz", berichtet der Sohn - wiederum selbst nicht ganz ohne Stolz.
Den Anstoß zur Gründung gab eine neue Screeningtechnologie, mit deren Hilfe man Enzyme mit speziellen Eigenschaften schneller auffinden kann. Schon in den ersten Jahren weitete die Firma ihre Aktivitäten aber auch auf die Produktion der Enzyme aus. Zu den Erfolgen gehört eine Asparaginase zur Verringerung kanzerogenen Acrylamids in erhitzten Lebensmitteln und eine hochreine Nuklease für den Einsatz in der biopharmazeutischen Industrie. Mittlerweile sind mehr als 50 Arbeitsplätze in Leipzig entstanden. Da die Firma in den alten Räumen des Gründerzentrums fast aus den Nähten platzte, stand vor wenigen Wochen der Umzug in den Neubau "BioCube" auf der Agenda. Dort ist c-LEcta nun einer der beiden Hauptmieter. Mit dem Umzug hat die junge Firma "ein dickes Brett gebohrt, aber es hat alles bestens geklappt". Auch die Auftragsbücher sind voll, der Laden brummt.
Auf die Frage, warum sich das Blatt gewendet hat, weiß Struhalla selbst keine rechte Antwort: "Irgendwann um 2010 oder 2011 kam der Stein ins Rollen. Teilweise sind wir potentiellen Industriepartnern über Jahre hinterhergelaufen, haben ständig versucht, uns ins Gespräch zu bringen - ohne Erfolg. Und dann rufen die gleichen Firmen von ganz alleine an!" Referenzprojekte, Kontakte, Lebensjahre der Firma - der Niedersachse vermutet, dass die c-LEcta zu diesem Zeitpunkt eine gewisse "kritische Masse" erreicht hatte. Die allerorten anzutreffende Bioökonomie-Begeisterung sei aber kein Grund gewesen: "Viele Firmen setzten sich durchaus strategisch bewusst mit dem Thema Industrielle Biotechnologie auseinander, getreu dem Motto 'Müssen wir da nicht auch was machen?' Doch die Zahl der guten Projekte blieb unverändert - auf niedrigem Niveau."
Die größte Herausforderung der Weißen Biotechnologie, so sein Fazit, ist und bleibt das Ausfindigmachen guter Ideen. Die Identifizierung der Universität für das Studium vor 20 Jahren wurde dem Freizeitfußballer hingegen abgenommen: "Irgendwie war mein Abitur nicht gut genug, als dass ich eine Wahl gehabt hätte." Insofern wurde Struhalla 1994 "ein bisschen genötigt", nach Leipzig zu kommen. Nach der Promotion fiel die Wahl etwas weniger zufällig wieder auf die sächsische Stadt: "Leipzigs Image hatte sich noch einmal verbessert. Außerdem gibt es hier viele gut ausgebildete Fachkräfte - und wenige Firmen, mit denen wir in Konkurrenz um diese stehen." Struhalla strahlt im Interview Ruhe und Überzeugung aus. Nach der turbulenten Gründungszeit hat er die Firma in ruhigere Gewässer geführt. "Am Ende ist man ja ein unglaublich privilegierter Mensch", sinniert er, "Ich habe viele Dinge im Leben, die ich gerne mache. Ich gehe gern zur Arbeit, genieße die Zeit mit meiner Familie, habe spannende Hobbys, treffe mich gern mit Freunden. Was will man denn mehr?"
Aufgewachsen in Bohmte nördlich von Osnabrück, studierte Marc Struhalla Biochemie in Leipzig. 2003 promovierte er an der Universität Hamburg über die Substratspezifität der Ribonuklease T1. Als Projektleiter war er danach zunächst wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Leipzig, bevor er 2004 die c-LEcta gründete, deren Geschäftsführer er bis heute ist. Nach dem Weggang des Mitgründers Thomas Greiner-Stöffele leitet der Biochemiker seit Ende 2012 die Firma in Doppelregie mit dem Finanzvorstand Carsten Fietz. Struhalla ist verheiratet und zweifacher Vater.










