RMB research GmbH

Alte Besen kehren gut
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Alte Besen kehren gut

22.12.2016 - Manfred Schuster macht keinen Hehl daraus, dass sein jüngstes Projekt, die Substanz ­Stathmin zu einem Wundheilungsmedikament zu machen, keine neue Idee ist, sondern von einer Biotech-Firma stammt, die nach neun Jahren Entwicklung scheiterte.

"Vor etwas mehr als zwei Jahren sprach mich ein Investor an, ob ich Interesse hätte, diese Substanz zu übernehmen und weiterzuentwickeln", erzählt der promovierte Biochemiker und Biotechnologe, der zuletzt elf Jahre im Management der österreichischen Apeiron AG gearbeitet hat. Zwar trug sich Schuster bereits mit dem Gedanken, etwas Neues zu wagen, dennoch war er skeptisch. "Sehr skeptisch sogar, insbesondere wenn man die Experimente selbst zu reproduzieren versucht und anfangs überhaupt nichts funktioniert", sagt Schuster.

Ein halbes Jahr habe sich sein Team durch Forschungsergebnisse aus neun Jahren gearbeitet, die bei der inzwischen liquidierten Firma TMB TissueMed Biosciences aus Krems angefallen waren - bis der Grund für die inkonsistenten Ergebnisse des Signalstoffs auf die Wundheilung gefunden war: "Die Zellkulturen, mit denen gearbeitet wurde, waren verunreinigt, und nur wenn zufällig inflam­matorische Zytokine vorhanden waren, zeigte Stathmin die gewünschte wundheilende Wirkung." In der Immunologie brauche es immer mehrere Auslöser, bevor eine Reaktion erfolgt – ein natürlicher Schutzmechanismus. Testete Schuster Stathmin in der Wundflüssigkeit von Patienten, erzielte er gute Ergebnisse, in Zellkulturen, die nachweislich frei von inflammatorischen Zytokinen waren, blieb die Reaktion hingegen aus. "Geringste Mengen dieser Zytokine reichen, aber sie müssen da sein, damit Stathmin wirkt", so Schuster. Und die Wirkung war so beachtlich, dass sich der erfahrene Medikamentenentwickler im September vergangenen Jahres entschloss, gemeinsam mit dem Investor Maurizio Totta die RMB Research GmbH zu gründen – wobei RMB für "reset to make it best" stehe.

"Ich gehe offen damit um, dass wir etwas 'Altes' aufgreifen, denn ich halte es für einen großen Vorteil", sagt Schuster. So wie erst alte Reisigbesen gut kehren, weil sie durch den Gebrauch zurechtgestutzt werden, habe sein Team auch die potentiellen Schwachstellen des Stathmin-Projekts erkannt und korrigiert und sei nun besser gewappnet für eine schnelle Entwicklung als Neugründer: "Zum Beispiel haben wir bereits einen genehmigten GMP-Prozess für die Stathmin-Produktion und müssen nicht die gesamte Präklinik wiederholen." Das exklusiv von RMB einlizenzierte Patent für die therapeutische Nutzung von Stathmin in der Wundheilung habe TMB glücklicherweise erst 2014 beantragt und erhalten, so dass genug Zeit bleibt, die Arznei zu vermarkten.

Bis Ende des Jahres will Schuster die erste Finanzierungsrunde und Anfang nächsten Jahres eine Kapitalerhöhung abgeschlossen haben. Insgesamt peilt der RMB-Geschäftsführer 7,5 Mio. Euro Investitionen von privaten Investoren und öffentlichen Förderinstitutionen an, "um damit bis zu einer Phase II mit Patienten mit venöser und diabetischer Ulzera zu kommen, die dann hoffentlich interessante Daten für einen Pharmapartner produziert."

Das Marktpotential sei "gewaltig", sagt der Wiener. Über 10 Millionen Menschen leiden allein in den USA und Europa an chronischen, auch nach acht Wochen nicht verheilenden Wunden und verursachen Kosten in Gesundheitssystem und Volkswirtschaft von schätzungsweise 10 Mrd. Euro pro Jahr. Vor allem Patienten mit Diabetes und chronisch-venöser Insuffizienz sind betroffen.Schuster ist sich sicher, dass Stathmin das Potential hat, die schwärenden Wunden solcher Patienten zu schließen. "Der Charme der Substanz ist, dass sie diverse Zelltypen aktiviert, die für die Wundheilung wichtig sind, aber nur in der Wunde." Um das Protein vor abbauenden Enzymen im Körper zu schützen, hat sein Team ein Gel entwickelt, das den Wirkstoff binden und abschirmen kann und nur langsam freigibt. Das Gel hat RMB vor kurzem separat zum Patent angemeldet. Statmicoll nennt die Firma die Kombination aus Gel und Wirkstoff, womit eine doppelt so starke Wirkung erzielt werde als wenn der Wirkstoff allein eingesetzt wird.

s.karberg@biocom.de

Foto: Elf Jahre hat Manfred Schuster bei Apeiron Erfahrungen in der Medikamentenentwicklung gesammelt. Nun wagt er mit RMB Research etwas Neues mit etwas „Altem“.

http://www.transkript.de/menschen/mensch-und-unternehmen/rmb-research-gmbh.html

Artikel-Archiv

17.11.2016 Richtig, Manfred Gröppel ist seit April dieses Jahres Vorstand einer neuen Firma, hat eine bemerkenswerte Erstrundenfinanzierung auf die Beine gestellt und glaubt mit Herz und Seele an den Erfolg seiner Immunic AG. Und trotzdem, gibt er zu, passiert es ihm hin und wieder, dass er noch „4SC“ auf den Lippen hat, wenn er sich einem neuen Gesprächspartner vorstellt.

Immunic

Das liegt wohl nicht nur daran, dass er 15 Jahre lang die 4SC AG im Business Development mit geformt hat, sondern auch dass er mit Immunic jetzt Projekte fortführt, die bei 4SC entwickelt wurden.

Es war im Sommer 2016, als die 4SC 29 Mio. Euro Kapitalerhöhung bekam – mit der Auflage, sich auf die Onkologie zu konzentrieren. Also bot der damalige Geschäftsführer Enno Spillner Gröppel an, 4SCs Immunologie-Projekte in eigener Regie fortzuführen. „Ich habe keinen Moment gezögert“, sagt der 48-Jährige. „Ich kenne das Programm seit 2001, das ist mein Baby.“

Die „härteste Nuss“ sei es gewesen, den Lead Investor, die niederländische Life Sciences Partners V Coöperatief U.A., zu überzeugen. „Als LSP dann 9 Mio. Euro zugesagt hatte, war es einfacher, auch die anderen ins Boot zu holen“ – etwa die Schweizer LifeCare Partners, Bayern Kapital und den High-Tech Gründerfonds. Das war im März 2016, einen Monat später gründete er Immunic.

Es folgten turbulente Monate. 4SC wollte erst verkaufen, wenn ein akzeptabler Preis in Aussicht gestellt werden konnte, die Investoren aber wollten erst unterschreiben, wenn sie die Konditionen kannten. „Die Verhandlungen zogen sich bis in den Juni hin.“ Eine kuriose Situation, denn offiziell war Gröppel bis Ende August noch Angestellter der 4SC, verhandelte aber schon für Immunic. „Am Ende war es wohl ein fairer Kompromiss, da sich beide Seiten beschwert haben“, sagt Gröppel, ohne die Höhe der vereinbarten Zahlungen zu nennen.

Bislang besteht Immunic nur aus dem promovierten Chemiker Gröppel und dem Chief Medical Officer Andreas Mühler, der zuvor Interims-CMO bei Millennium Pharmaceuticals in Boston war. „Ich habe ihn über Linkedin gefunden“, sagt Gröppel. Auch ein CSO, CEO, COO sowie ein Managementassistent werden im kommenden Jahr zu Immunic wechseln. Bei fünf Mitarbeitern wird es aber bleiben – denn Immunic wird eine virtuelle Firma sein. „Wir werden alle nötigen Entwicklungsschritte mit Dienstleistern abwickeln“, sagt Gröppel. Um zwei Projekte werden sich die fünf kümmern: Der Wirkstoff IMU-838 werde noch im ersten Quartal 2017 in die Phase I der klinischen Prüfung starten, sagt Gröppel. „Derzeit werden dafür die Tabletten produziert.“ Zunächst werden Probanden eine Einzeldosis, später dann Mehrfachdosierungen des Medikaments bekommen. Für Ende 2017 sei dann die Phase II-Studie mit Morbus-Crohn-Patienten geplant. „Da laufen schon die ersten Key Opining Leader Meetings fürs Studiendesign.“ Der zweite Wirkstoff, IMU-366, soll gegen Schuppenflechte eingesetzt werden. „Die Substanz zeichnet sich dadurch aus, Zytokine besonders gut zu inhibieren und reichert sich vor allem in der Haut an“, sagt Gröppel. Parallel zur Formulierungsoptimierung von IMU-366 wird Immunic aus einer Gruppe von etwa 1.000 Substanzen ähnlicher Wirkungsweise aber auch alternative Moleküle etablieren. „Ziel ist es am Ende, sowohl mit IMU-366 als auch IMU-838 einen Wirksamkeitsnachweis bei Patienten zu erreichen.“ Dieser Punkt soll in dreieinhalb Jahren, im ersten Quartal 2020, erreicht sein und einen Verkauf der Wirkstoffkandidaten ermöglichen. Das Geld sollte bis dahin reichen. 17,5 Mio. Euro hat Gröppel bereits eingeworben, ein Second Closing läuft noch bis Ende März 2017. „Da suchen wir noch Investoren, um unser Ziel von etwa 23 Mio. Euro zu erreichen.“

So schwer Gröppel der Abschied von 4SC auch fiel, die neue Aufgabe kam genau zum richtigen Zeitpunkt. „Mit 48 ist man schließlich noch nicht tot, sondern kann noch etwas Neues aufbauen.“ Das Risiko sei überschaubar. Selbst wenn es im schlimmsten Fall kein Erfolg werden sollte, habe er sicher wertvolle Erfahrungen gesammelt. „Allein so viele interessante Investoren kennengelernt und überzeugt zu haben, das nimmt mir keiner mehr.“

s.karberg@biocom.de

Foto: Manfred Gröppel hat die Chance gern genutzt, auf Basis der Wirkstoffkandidaten, die er schon seit 15 Jahren bei 4SC mitentwickelt hat, sein eigenes Start-up zu gründen.

13.10.2016 Wenn alles so läuft, wie es sich Oliver Pötz und sein Team erhoffen, dann könnte die frisch gegründete Firma Signatope den Markt für Proteinbiomarkertests bald gehörig aufmischen. Denn die Immunoassays des Reutlinger Start-ups haben es in sich. Und wie so oft, wenn aus Grundlagenforschung eine Innovation wird, stand auch für die Gründung von Signatope der Zufall Pate.

Christoph Jäckle/Universität Tübingen

Während seiner Doktorarbeit am Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut (NMI) der Universität Tübingen „stolperte“ der Biochemiker über einen ungewöhnlichen Antikörper. „Der erkannte in seinem Zielprotein ein extrem kurzes Epitop aus nur drei Aminosäuren.“ Zusammen mit seinen Kollegen Thomas Joos, Dieter Stoll, Hannes Planatscher und Markus Templin entwickelte sich schnell eine „aufregende“ Idee: Hätte man mehrere solcher Antikörper, die jeweils eine andere Dreierkombination der insgesamt 20 natürlich vorkommenden Aminosäuren erkennen, dann ließe sich mit einer Kombination dieser wenigen Antikörper jedes beliebige Protein im gesamten Proteom ansteuern. „Das war unsere Vision.“

Am NMI bekam Pötz‘ Team alle Unterstützung, um der Idee nachzugehen. „Das hat sich hier wie eine Art U-Boot-Projekt entwickelt“, sagt Pötz. Zunächst tauchte er ins Labor ab, suchte sich einen Satz solcher Antikörper zusammen und zeigte, dass die Methode in Verbindung mit einem Massenspektrometer eine Vielzahl an Proteinen quantifizierbar macht.

2012 taucht Pötz‘ U-Boot-Crew dann beim GO-Bio-Wettbewerb auf und nimmt 2,7 Mio. Euro Förderung mit an Bord. Pötz‘ Idee überzeugt, weil die Antikörper in der Lage sind, einen bestimmten Biomarker in verschiedenen Spezies nachzuweisen. „Man muss also nicht mehr für Maus, Ratte, Mensch, Hund, Affe, Katze jeweils mühsam einzelne Antikörper herstellen, um zum Beispiel ein bestimmtes Protein nachzuweisen“, sagt Pötz. Das ist normalerweise nötig, weil ein Protein in verschiedenen Spezies geringe Unterschiede in dem einen oder anderen Aminosäure-Baustein haben kann. Ein Antikörper, der große Epitope aus vielen Aminosäure-Bausteinen erkennt, funktioniert dann womöglich nicht mehr. „Unser Testsystem kann hingegen über all diese Spezies hinweg das gleiche Protein analysieren.“ Das vereinfacht und beschleunigt die Tests nicht nur, sondern macht sie auch günstiger.

Pötz‘ Team am NMI hat so inzwischen „cross-spezies Immunoassays“, XIM genannt, entwickelt, die beispielsweise Biomarker für Nieren- oder Blutgefäßschäden nachweisen können. Oder auch Enzyme des Cytochrom P450-Systems, die in Leberzellen nach Wirkstoffgabe mal häufiger, mal seltener sind – ein wichtiger Hinweis auf Wechselwirkungen von Medikamenten und ihre Dosierung. Pharmafirmen brauchen solche Tests, um für neue Medikamentenkandidaten sowohl vor als auch während klinischer Studien nachzuweisen, dass sie Organe wie Niere, Leber oder Gefäße nicht beeinträchtigen. „Einige dieser Tests sind jetzt soweit entwickelt, dass wir sie als Service anbieten können, weshalb wir uns entschlossen haben, Signatope jetzt und nicht erst nach Ablauf von GO-Bio zu gründen.“ Bis Mitte nächsten Jahres läuft die Förderung noch, 600.000 Euro hat Signatope dadurch als Startkapital noch zur Verfügung. Mit neuen Investoren ist Pötz im Gespräch, Namen kann er noch nicht nennen.

Gute Tipps für die Gründung haben die Reutlinger beim Science4Life Gründerwettbewerb bekommen, wo sie Platz sechs erreichten. „Das Feedback der Gutachter war sehr hilfreich“, sagt Pötz, für den sich der Wandel vom Forscher zum Unternehmer bislang gut anfühlt. „Am NMI ist das wohl auch nicht ganz so drastisch“, sagt der Biochemiker. „Das NMI ist ein Forschungsinstitut, das sich zu gut 40 Prozent durch Forschungsaufträge aus der Industrie finanziert, so dass in den Forschungsprojekten die Entwicklung von wissenschaftlichen Ergebnissen hin zu einem marktfähigen Produkt immer eine Rolle spielt.“ Gründerkultur gehöre einfach zum NMI, das schon über ein Dutzend Start-ups auf den Weg gebracht hat. „Mit Kunden zusammenzuarbeiten ist daher nicht neu für uns“, sagt Pötz. „Das jetzt auf eigenes Risiko zu machen, ist ungewohnt, aber auch spannend.“

s.karberg@biocom.de

Foto: Im August 2016 gründeten Biochemiker Oliver Pötz und sein Team die auf Biomarkertests spezialisierte Signatope GmbH in Reutlingen.

15.09.2016 Nein, Elefanten verkauft Oliver Kreuzer nicht. Dafür wäre in den vollgestopften Räumen von peptides&elephants im Golmer Wissenschaftspark bei Potsdam auch wirklich kein Platz mehr.

peptides&elephants

Weshalb der Geschäftsführer seine Peptidsynthesefirma dringend neue Räumlichkeiten sucht. Seit Peptide nicht mehr nur Forscher interessieren, sondern als potente Wirkstoffe für die Immuntherapie von Krebs gelten, kann sich der Chemieingenieur nach langen schwierigen Gründerjahren inzwischen über volle Auftragsbücher freuen. 50 Prozent Umsatzsteigerung im vergangenen Jahr machen den 50-Jährigen so zuversichtlich, dass er nun sogar eine neue Firma ausgründen will, die sich der Produktion von Peptiden für die klinische Anwendung widmen soll. 

Bis hierhin war es ein weiter Weg für den – laut Selbstbeschreibung – „Sturkopf“. Anfangs, im Jahr 2000, sind noch drei Kollegen mit an Bord, die mit ihm gemeinsam die Idee für einen Peptidsyntheseroboter verwirklichen wollen, die Kreuzer schon Jahre zuvor hatte, als er noch bei Evotec in Hamburg arbeitete. Eine Idee, die so simpel wie genial ist, da sie erlaubt, aus Aminosäuren sehr viele Peptide parallel in kurzer Zeit zu synthetisieren – ohne dass eine Peptidfraktion mit Resten anderer vermischt wird: „Der Roboter benutzt einfach für die 20 natürlich vorkommenden Aminosäuren jeweils eine Pipette“, sagt Kreuzer. 

Zunächst läuft alles rund. 1,4 Millionen Euro aus der „Futur2000“-Förderung nutzt das Team, um einen Prototyp des Roboters zu bauen und zum Patent anzumelden. Zinsser Analytics übernimmt den Vertrieb, das erste Gerät wird in die USA verkauft. 

Doch weitere Kunden finden sich nicht. Erst steigt Zinsser aus, dann die Kollegen und plötzlich ist Kreuzer mit seinem Roboter allein. Um Schulden zu bezahlen, trennt er sich sogar von seinem Patent. Der Elefantenfriedhof droht. „Wir waren unserer Zeit voraus“, meint Kreuzer. Noch wollte niemand Bibliotheken aus hunderten verschiedenen Peptiden. Doch Kreuzer macht weiter, steht allein im Labor, verkauft Peptide und schlägt sich mit einem klapprigen Seat Marbella durch.

Inzwischen hat er einen neuen Volvo und 12 Mitarbeiter, denn Peptide sind begehrtes Ausgangsmaterial für die vielversprechenden Immuntherapien gegen Krebs geworden. „Früher hieß es immer: Peptide sind keine Wirkstoffe“, sagt Kreuzer. „Aber durch die Immuntherapie sind ganz normale Peptide ohne irgendwelche Veränderungen zu Therapeutika geworden.“ Zu Kreuzers Kunden gehören nun nicht nur Forscher vom Robert-Koch-Institut, dem Münchener Helmholtzzentrum oder Pioniere der Immuntherapie wie Steve Rosenberg vom NIH. Auch Biotech- und Pharmafirmen bestellen in Golm. Während Konkurrenten fünf Wochen brauchen, um ein Set von hunderten Peptiden zu produzieren, könne er in zwei bis drei Wochen liefern, sagt Kreuzer – „in der Regel auch zur Hälfte des Preises unserer Wettbewerber“. Der Syntheseroboter macht‘s möglich.

Konkurrenz fürchtet Kreuzer nicht. Der Käufer des Patents – die inzwischen zum schwedischen Unternehmen Gyros gehörende US-Firma Protein Technologies – nutzt die Technik nicht. Sie konnte den Syntheseroboter nicht marktfähig machen. „Gut für uns“, sagt Kreuzer. 

Um den Zug zum Immuntherapie-Geschäft nicht zu verpassen, will der Unternehmer nun Propria Therapeutics gründen – wenn die Suche nach Investoren erfolgreich verläuft. Die Labors des Start-ups sollen dann so strukturiert werden, dass die individuellen Sets von Peptiden für jeden Patienten in eigens dafür reservierten Laborparzellen synthetisiert werden – um auch auf dieser Ebene Kreuzkontaminationen zu verhindern. Die ersten Peptide wird das schwedische Karolinska-Institut für klinische Tests neuer Immuntherapien gegen Krebs nutzen. „Karolinska hat bei uns 300 Peptide bestellt, 150 davon krebstypisch mutiert“, sagt Kreuzer. Bei anderen Anbietern könnten die Forscher nur ein Zehntel der Peptidvarianten testen, „sonst fliegen ihnen die Kosten um die Ohren“. 

Dass die Immuntherapie von der Routinebehandlung noch weit entfernt ist, um dieses Risiko weiß Kreuzer wohl. „Aber ich habe ein ganz gutes Bauchgefühl dabei.“ 

s.karberg@biocom.de

Foto: Die Idee zu einem Roboter, der Kreuzkontaminationen bei der Peptidsynthese verhindert, hatte Oliver Kreuzer schon vor fast zwanzig Jahren.

21.07.2016 Nachdem er von den technischen Details und möglichen Einsatzmöglichkeiten des Lyte96 geschwärmt hat, schiebt Yousef Nazirizadeh noch ein Argument nach, warum dieser Mikroplattenleser die Konkurrenz in den Schatten stellt: „Er sieht einfach sexy aus!“

Byosens GmbH

Kompakt, klare Linien und eloxiertes Aluminium - ein kurzer Blick auf das Gerät ruft Zustimmung hervor. Das Alleinstellungsmerkmal des Lyte96 ist aber zweifelsohne seine Größe. Die Grundfläche entspricht der einer Mikrotiterplatte mit 96 Vertiefungen. Wenn Elektroingenieur Nazirizadeh den fragenden Blicken seines Gegenüber erwidert, dass das wirklich nicht der Plattenständer, sondern tatsächlich der Plattenleser sei, dann ist er wieder da: der Wow-Effekt.

Zum ersten Mal gab es dieses erhebende Gefühl 2013 in Kiel, als es Postdoc Nazirizadeh gemeinsam mit seiner Chefin Martina Gerken gelang, die Dreifaltigkeit Lichtquelle, -detektor und Optikeinheit auf die Größe eines Wells einer dieser Mikrotiterplatten zu schrumpfen. "Wir haben uns damals sofort gedacht: Wir müssten das eigentlich kommerzialisieren", so der 35-Jährige. Gesagt, getan. Dank der EXIST-Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums konnte das Gerät zur Analyse von markerfreien Zellassays weiter optimiert werden. Mitte 2015 wurde schließlich die Byosens GmbH gegründet, die bald darauf von Kiel nach Hamburg umsiedelte - auch, aber laut Nazirizadeh nicht nur, wegen der in Aussicht gestellten Innorampup-Förderung des Stadtstaats.

Auch im Team selbst gab es Bewegung: Zwei vormals involvierte Mitarbeiter in Gerkens Institut für Elektro- und Informationstechnik zogen andere Karriereoptionen, dafür heuerten der Informatiker Volker Behrends und der Betriebswirt Sebastian Metz an. Behrends, der für die Softwareentwicklung zuständig ist, ging übrigens ganz klassisch auf einer Firmenkontaktmesse in Kiel mit Byosens auf Tuchfühlung: "Sie suchten einen Entwickler und für mich ist die Beteiligung an einem Start-up einfach der ideale Start ins Berufsleben." Den dringend benötigten Betriebswirt stöberte Nazirizadeh auf einem Schiff im Kieler Hafen auf. "Ich war zwar mit meiner Promotion beschäftigt, wollte aber nebenher noch etwas Praxisrelevantes machen. Daher bin ich auf diese Gründerveranstaltung gegangen", so Metz. Da die Doktorarbeit mittlerweile geschafft ist, kann sich der Byosens-Geschäftsführer ab sofort mit voller Energie in sein Start-up einbringen.

Entwickler Behrends erinnert sich noch an den Vorläufer des Lyte96: "Das erste, eher grob zusammengebastelte Gerät war ein ganz schöner Energiefresser." Für einen batteriebetriebenen Plattenleser, der mit seiner Mobilität punkten will, ist das natürlich ein Knockout-Kriterium. Doch der 29-Jährige hat die Probleme in den Griff bekommen. Die ersten Geräte sind bei einer Handvoll Laboren im Praxistest. "Wenn alles gut läuft, dann sind wir in einigen Monaten auf dem Markt", ist sich Nazirizadeh sicher. "Daher sind wir gerade ziemlich aufgeregt, denn jetzt wird sich zeigen, ob die drei Jahre Entwicklungszeit Früchte tragen."

Auch für die weitere Finanzierung der Firma ist es enorm wichtig, dass die Kunden anbeißen. Byosens hat hier öffentliche Forschungslabore im Blick, die bisher den Einstieg in markenfreie Technologien aufgrund der hohen Preise gescheut haben. "Wir sind kostengünstiger als die Konkurrenz", stellt Nazirizadeh klar. Darüber hinaus dürfte der Lyte96 aber auch für Pharma- und Biotech-Firmen reizvoll sein. Aufgrund seiner Kompaktheit passt das Gerät in Brut- und Kühlschränke - und in automatische Pipettiersysteme. Damit bietet er unzählige neue Anwendungsmöglichkeiten bei der Echtzeitüberwachung von Versuchen.

Wenn es nach den Vorstellungen der drei Jungunternehmer geht, dann ist der Lyte96 erst der Anfang. "Wir haben jetzt das Know-how, wie man Analyseinstrumente miniaturisiert und produziert", so Nazirizadeh. Perspektivisch wolle sich Byosens neben der markerfreien Detektion noch weiteren Technologien zuwenden und dafür neue Geräte entwickeln. Sexappeal natürlich inklusive.


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Foto: Drei Gründer und ein Mikrotiterplattenleser (v.l.): Volker Behrends, Sebastian Metz und Yousef Nazirizadeh. Nicht im Bild ist Mitgründerin Martina Gerken. Die Professorin an der Kieler Christian-Albrechts-Universität hält sich aus dem Tagesgeschäft heraus.

16.06.2016 „Der Großteil der Leute, mit denen wir Pharmazie studiert haben, stammt aus Apothekerfamilien“, erinnert sich Kilian Guse. Die meisten davon dürfte es dann auch vom Hörsaal der Universität Frankfurt am Main schnurstracks zurück ins elterliche Geschäft gezogen haben.

GeneQuine

Für Guse und seinen Kommilitonen Stanislav Plutizki stand das indes nie zur Diskussion: „Wir wollten etwas eigenes auf die Beine stellen.“ Eine erste, noch in Frankfurt entwickelte Geschäftsidee wird noch als „zu unausgereift“ verworfen. Die beiden Pharmazeuten verlassen die Mainmetropole, um sich erste Sporen in der Wissenschaftswelt zu verdienen. Mit einem Doktortitel dekoriert trifft man sich nach ein paar Jahren in Berlin wieder. „Damals habe ich mich als Postdoc am Baylor College of Medicine in Houston in den USA bereits mit dem Thema Gentherapie beschäftigt“, erinnert sich Guse. Die German Scholars Organization hatte 100 deutsche Wissenschaftler aus dem Ausland in die Hauptstadt gelockt, um sie von den Karrieremöglichkeiten in der Heimat zu überzeugen – inklusive eines Empfangs beim Bundespräsidenten. Da Plutizki mittlerweile bei einem Pharmakonzern in Berlin arbeitete, traf man sich auf ein Bier – und Guse stellte seine neue Idee vor: Basierend auf einer am Baylor College ersonnenen Technologie soll ein auf Gentherapien spezialisierter Wirkstoffentwickler aus der Taufe gehoben werden. Die Reaktion? In den Worten Guses sei Plutizki „sofort Feuer und Flamme“ gewesen. „Nach meiner Zeit in der Pharmaindustrie war mir klar, dass ich gern mehr Verantwortung übernehmen würde. Die Entwicklung eines Wirkstoffs von Anfang bis Ende ist da natürlich die perfekte Aufgabe“, so Plutizki. 

Dass Genequine dann 2012 in Deutschland gegründet wird, liegt an einem überzeugten und überzeugenden Alexander von Frankenberg. Guse traf den Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds auf besagter Veranstaltung mit dem Bundespräsidenten, wo er ihm seine Idee zwischen Champagner und Schnittchen kurz umreißen konnte.

Aufgrund des großen ungedeckten medizinischen Bedarfs konzentriert sich die Genequine Biotherapeutics GmbH derzeit auf die Indikation Arthrose. Als Genfähre kommt ein sogenannter Helfer-abhängiger adenoviraler Vektor zum Einsatz. Das Fernziel ist eine Humantherapie, den ersten Schritt machen Guse und Plutizki aber beim Pferd. „Die Entwicklung von Arzneimitteln für Tiere ist deutlich weniger anspruchsvoll als die von Humanarzneimitteln. Außerdem ist das Entwicklungsrisiko niedriger und die Kosten sind hundertmal geringer“, erläutert Guse. Dass die Wahl auf das Pferd fiel, lag nicht im Geringsten an einer privaten Vorliebe. Mit dem Reiten hatten und haben beide nichts am Hut. Laut Plutizki waren es wissenschaftliche und wirtschaftliche Gründe. So sei das Arthrose-bedingte Lahmen das zweitgrößte Gesundheitsproblem bei Pferden. Dazu kommt, dass ein durchschnittlicher Pferdebesitzer durchaus bereit ist, viel Geld für deren Gesundheit auszugeben – „gerade wenn es um das Lieblingspferd der Tochter geht“. 

Derzeit basteln die zwei Gründer an der Folgefinanzierung, damit das Team aufgestockt, ein eigenes Labor eingerichtet und weitere Studien finanziert werden können. Dem Beispiel des Gentherapie-Pioniers Uniqure folgend soll Genequines Methode zu einer Plattformtechnologie ausgebaut werden. „Wagniskapital zu bekommen ist eine Herausforderung“, seufzt Guse, denn „obwohl allgemein Geld in Deutschland vorhanden ist, sieht es speziell bei der Arzneimittelentwicklung eher mau aus.“ Mehr Wagniskapitalgeber und aufgeschlossener gegenüber neuen Ansätzen wie der Gentherapie – womöglich wäre die Finanzierung in den USA schneller über die Bühne gegangen, vermutet der 37-Jährige. „Klar ist die Zukunft in einem jungen Biotech-Unternehmen oft ungewiss“, räumt er ein und schiebt lachend nach: „Doch in der Apotheke meiner Eltern wäre es mir zu langweilig geworden!“ Von den Möglichkeiten der Gentherapie sei er aber auch nach zehn Jahren Arbeit auf dem Gebiet „immer noch so fasziniert wie am ersten Tag“. 

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Foto: Die zwei Gründer teilen sich die Geschäftsführung: Stanislav Plutizki (l., 38) kümmert sich um den regulatorisch-medizinischen Bereich, Kilian Guse (37) hält die betriebswirtschaftlichen und wissenschaftlichen Fäden in der Hand.

12.05.2016 Als das Gespräch auf ein jüngst angelaufenes Forschungsprojekt zur Sortierung von Kaffeebohnen mit einem arrivierten Lebensmittelkonzern fällt, lässt der gebürtige Italiener Francesco Dell‘Endice eine Bemerkung fallen, der man nur uneingeschränkt zustimmen kann: „Es wird ja noch viel zu oft schlechter Kaffee ausgeschenkt!“

QualySense

Qualysense will hier für Abhilfe sorgen. Mit einem Team von 23 Leuten in der Schweiz - fünf weitere sollen noch 2016 in Chicago hinzukommen - entwickelt und baut Dell'Endice Roboter, welche Bohnen, Körner und Samen sowohl von Fremdkörpern trennen als auch voneinander nach definierten Kriterien sortieren können. Maschinen, die anhand von Größe, Form und Farbe auswählen, gab es bereits vorher. Die Sortieranlage von Qualysense kann zudem die Gesamtzusammensetzung der Probe analysieren. Damit sind zum Beispiel Aussagen zum Glutengehalt von Weizenkörnern oder Proteingehalt von Sojabohnen möglich. Besonders US-Kunden haben Gefallen an der Anlage gefunden. Ein Jahr nach Vermarktungsstart macht Qualysense 80% seines - zweifelsohne noch überschaubaren - Umsatzes mit Konzernen wie General Mills, Dupont und Pepsico. Zum einen rühren die Bande mit den USA von einer jahrelangen Forschungskooperation mit deren Landwirtschaftsministerium her. "Zum anderen herrscht dort eine andere Mentalität, was Innovationen angeht. Die Menschen sind es gewöhnt, auch einmal Risiken einzugehen", zeigt sich Dell'Endice begeistert.

Als einer von drei Gründern ist der studierte Luftfahrtingenieur klar die treibende Kraft. Nach Stationen in Frankreich und Australien wollte er in seiner süditalienischen Heimat zunächst eine Firma gründen, die aus Satellitendaten konkrete Handlungsvorschläge für ein besseres Wassermanagement ableitet. Doch der korrupte Filz von Politik und Wirtschaft ließ ihn „vollkommen demotiviert“ außen vor. Stattdessen begann er 2005 an der Universität Zürich an seiner Promotion zu arbeiten. In dem Projekt mit der Europäischen Weltraumorganisation wurden Technologien für Satelliten entwickelt, die halfen, Bewuchs und Zustand der Erdoberfläche vom All aus zu bestimmen. Den Doktorgrad erlangte er noch, dann konstatierte er: „Grundlagenforschung ermüdet mich. Mir geht das alles zu langsam.“ Gesagt, getan. Dell‘Endice steckte die Erkundungstechnik in einen Kasten und packte eine Sortierfunktion dazu – fertig war die Produktidee, mit der er sich 2010 beim Schweizer Venturekick-Wettstreit beteiligte. „Am Morgen hielt ich den Vortrag und am Abend kam die E-Mail, dass wir dabei sind“, so Dell‘Endice. Wichtig war nicht der eingeheimste Betrag von 10.000 CHF, sondern „der Kick, dass jemand an deine Idee glaubt“. 

Noch im selben Jahr wurde die Qualysense AG gegründet. Mit dabei war Landsmann und Automatisierungsexperte Paolo D‘Alcini, der sich eigentlich mit seiner eigenen Geschäftsidee selbständig machen wollte. „Ich habe ihn überzeugt, dass meine Idee einfach besser ist und er bei uns mitmachen sollte“, erinnert sich der Qualysense-Chef. Mit der Ukrainerin Olga Peters vervollständigte eine alte Bekannte von Dell‘Endice das Gründerteam. Die damals 21-Jährige studierte noch Bank- und Finanzwesen. „Paolo kümmert sich um den laufenden Betrieb. Olga hat in den Bereichen Finanzen, Verwaltung und Personal den Hut auf.“ 

Für die ersten Versuche wurden Geräte und Werkzeuge leihweise – und entgegen den Gepflogenheiten in der Schweiz nicht ganz koscher – in Dell‘Endices Wohnung geschafft. Nach fünf Monaten zog die junge Firma dann in die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt in Dübendorf um, wo sie bis zu ihrem Auszug 2015 gehegt und gepflegt wurde. Jetzt residiert Qualysense in einer Werkhalle nahe Zürich, wo die Geräte zusammengeschraubt werden. Die Halle wurde nötig, denn Dell‘Endice hat Großes vor: „Bislang werden unsere Roboter vor allem in der Qualitätskontrolle und Produktentwicklung eingesetzt. Mit dem Kaffee-Projekt wollen wir einen Schritt in Richtung Produktion machen.“ Statt 10 kg in der Stunde wie die derzeitige Anlage soll die neue Einheit 2.000 kg Durchsatz bewältigen. „Wenn uns das gelingt, dann wird man das bald in der Kaffeetasse merken“, ist sich Dell‘Endice sicher.

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Auf dem Foto: Italienisch-ukrainisches Trio: die Firmengründer Paolo D‘Alcini (41, COO, li.), Olga Peters (27, CFO, li.) und Francesco Dell‘Endice (36, CEO).

07.04.2016 „Die US-Amerikaner lieben unseren Namen“, erzählt Christian Hennig. „Sie sprechen ihn immer sehr knarzig cell craft aus. Das ist so einzigartig, das prägt sich ein.“ Hennig leitet die Geschicke der in Hannover gegründeten Zellkraftwerk GmbH gemeinsam mit Jan Detmers.

Zellkraftwerk

Das erklärte Ziel der beiden: „Wir wollen Spaß haben und richtig coole Produkte bauen.“ Die Rollenverteilung ist klar: Hennig kommt mit neuen Ideen, Detmers stutzt sie auf das Machbare zurecht. Hennig setzt sie um, Detmers tingelt durch die Lande und bringt die fertigen Produkte an die Frau und den Mann.

Die Produktpalette zu beschreiben, ist alles andere als einfach. Angefangen hat es mit einem System für die Hochdurchsatzzytometrie. Mit dem Zellscanner One kann durch geschicktes Proben- und Färbemanagement ein und derselbe Objektträger mit Zellen oder Gewebe auf die Präsenz von bis zu 80 verschiedenen Biomarkern untersucht werden. „Bis heute Weltrekord!“ so Detmers stolz. Dann folgten mit dem Robotersystem Cytobot, dem Transportbehälter Zellsafe und der Programmierung der nötigen Software weitere Puzzlestücke auf dem Weg zu einem Komplettsystem für die Biomarkeranalyse. Logisch, dass Zellkraftwerk längst den Schritt von einem reinen Gerätehersteller zu einem Dienstleister gemacht hat. „Wir etablieren klinische Assays bis Phase II. Hierbei sammeln von uns angelernte Labormitarbeiter die Proben in den Studienzentren und schicken sie zur Analyse zu einem Cytobot-Standort“, erläutert Hennig. Das Management der großen Datenmengen und deren Visualisierung hat Zellkraftwerk schon im Griff, jetzt wird mit der Probenentnahme und -verarbeitung das nächste Problem angegangen. Dafür zieht die auf 16 Mitarbeiter gewachsene Firma dieser Tage nach Leipzig. Dort ist das Start-up Cellcopedia zu Hause. Das Ziel der Partner: Cellcopedias vollautomatisches Blutaufbereitungssystem soll nahtlos in das Zellkraftwerk-Ökosystem integriert werden. Dafür wurden Hennig und Co. auch mit dem Verweis auf großzügige Fördermittel der Sächsischen Aufbaubank abgeworben. In Hannover wird nur noch ein kleiner Teil des Teams bleiben, der die Assay-Entwicklung betreibt.  

Eigentlich ist Hennig Arzt – „wie fast alle in meiner Familie“. Seine unternehmerische Ader entdeckte er aber früh. So war er im Jahr 2000 am Aufbau des Sequenzierungsspezialisten Genovoxx beteiligt. Die Idee zur Gründung von Zellkraftwerk wurde 2011 durch eine GO-Bio-Förderung des BMBF befeuert. Nach einer Kennenlernphase entstand entstand Zellkraftwerk Anfang 2014 dann als GmbH. „Die drei Ziele für unser erstes Jahr haben wir uns tatsächlich aufgeschrieben: Wir wollten sehen, ob wir uns danach noch verstehen, ob der Markt unsere Produkte wirklich nachfragt und ob wir 100.000 Euro Gewinn erzielen.“ Das Ergebnis? Dreimal ein unverrückbares Ja. 

„Die Lebensqualität ist bei Firmengründern trotz des ganzen Stresses sehr hoch – gerade im Vergleich zum Arztberuf“, ist sich der 41-Jährige sicher. Als großen Vorteil sieht er die freie Zeiteinteilung an: „Ich kann durchaus auch einmal unter der Woche etwas mit meiner kleinen Tochter unternehmen, Fußball oder Tennis spielen gehen. Dafür arbeite ich dann abends oder am Wochenende.“ Auch der Spaß mit dem Team kommt nicht zu kurz: „Wir machen in der Freizeit viel zusammen. Kürzlich haben wir zum Beispiel mal Lasertag ausprobiert.“ 

Im Gespräch merkt man schnell: Hennig ist ein politischer Mensch, dem Deutschland am Herzen liegt. Zwar arbeitet Zellkraftwerk mit 9 der weltweiten Top 12 Pharmafirmen zusammen. Dass ausgerechnet die deutschen Konzerne kein Interesse zeigen, das ärgert ihn ein wenig. Für die Firmenentwicklung ist das indes unerheblich. Zellkraftwerk segelt auf einem stabilen Wachstumskurs – und das ganz ohne Risikokapital. „Jans und meine Erfahrung ist, dass Risikokapital in Deutschland im Biotechbereich nur sehr bedingt funktioniert“, so Hennig. Zwar stünden im Bedarfsfall ein paar wohlgesonnene Business Angels als Geldgeber bereit. Doch derzeit bleiben die Zellkraftwerkler ihrem Mantra treu: „Eine Firma muss Geld verdienen, nicht Geld verbrennen.“ 

m.laqua@biocom.de

Auf dem Foto: Die Geschäftsführung des Zellkraftwerks liegt in den Händen der beiden Gründer Jan Detmers (l.) und Christian Hennig. Detmers kümmert sich um Vertrieb und Geschäftszahlen, Hennig um Forschung und Produktentwicklung.

10.03.2016 "Eigentlich bin ich ja Pessimist", beginnt Ramon Kranaster nachdenklich. Dann ist ein kleiner Gefühlsumschwung spürbar und er setzt mit einem Lächeln fort: "Derzeit fällt mir das aber ziemlich schwer. Es läuft nämlich richtig gut."

Mypols/Mathias Drum

Als Geschäftsführer der Mypols Biotec GmbH verschickt er vom Bodensee aus Polymerasen in die ganze Welt. Mypols bietet die Enzyme für Pathogen-Nachweise, für die DNA- und RNA-Diagnostik oder auch für forensische Probleme an. Das Geld wird zum einen über den Online-Verkauf von zehn Basispolymerasen, zum anderen über die Entwicklung von Spezialpolymerasen nach Kundenwunsch eingespielt.

"Ich bin froh, dass wir das so geschafft haben." Diese Erleichterung nimmt man Kranaster ohne weiteres ab, denn, wie er selbst sagt: "Dass wir erfolgreich sein könnten, war nicht direkt offensichtlich." Anbieter von Polymerasen gab und gibt es zuhauf. Da aber bei vielen Anwendungen in den Bereichen Sequenzierung oder Assays die Wildtyp-Version ungeeignet ist, eröffnete sich eine Nische: "Die Natur hat die DNA-Polymerasen nicht für PCR und Co. optimiert. Das haben wir mit Hilfe gerichteter Evolution und rationalem Design gemacht." Für die Erleichterung über den Erfolg von Mypols gibt es aber noch einen zweiten Grund. Mit der Prolago Biotec verlief 2013 ein erstes Gründungsprojekt Kranasters im Sande. "Wir hatten damals die Vision, die Krebsfrüherkennung zu revolutionieren", erinnert er sich. Die Idee zur Bestimmung des epigenetischen Status von Onko- und Tumorsupressorgenen mittels einer speziellen DNA-Polymerase war bestechend, die Verwirklichung eines präsentierbaren Produkts scheiterte jedoch und nach einem Jahr löste sich das Team auf.

Ein Teil der Gründertruppe verstaute daraufhin den Gründergeist wieder in der Flasche. Nicht aber Kranaster und Mypols' Spiritus rector Andreas Marx: Basierend auf zwei weiteren Erfindungsmeldungen aus dem Universitätslabor von Marx wurde Mypols als Ausgründung der Universität Konstanz ins Leben gerufen. Überzeugt von der neuen Idee stieg auch Marx' Ehefrau Simone als Mitgründerin ein. "Die beiden sind nicht am Tagesgeschäftigt beteiligt. Sein Know-how in Sachen DNA-Polymerasen ist aber Gold wert. Ohne ihn würde es kein Mypols geben. Sie hingegen bringt mit ihrem Hintergrund in PR und Marketing frische Ideen in die Firma ein", fasst Kranaster die Rolle seiner Mitgründer zusammen.

Mittlerweile beschäftigt Mypols fünf Angestellte - allesamt "Leute, die sich berufen fühlen, bei Mypols zu arbeiten", versichert der Chef. Dass es auch anders sein kann, weiß er selbst am besten. Nach seiner Promotion heuerte der junge Biologe in London bei Touchlight Genetics an. "Die arbeiten an Impfstoffen auf DNA-Basis. Ich fand das superinteressant", blickt er zurück. Als Polymerase-Spezialist wurde der 35-Jährige dort mit Kusshand empfangen. Anders als Mypols ist Touchlight ein klassisches Biotech-Start-up mit Risikokapitalhintergrund. Obwohl es dem Schwaben in London gut gefiel, bemerkte er bald, dass er nicht 100%ig hinter der Technologie und der Geschäftsidee des Start-ups stand: "Ich habe den erfolgreichen Exit nicht vor Augen gehabt. Als sich dann die Möglichkeit zu Gründung der Prolago Biotec abzeichnete, bin ich zurück nach Konstanz." Dass dort statt Risikokapital ein EXIST-Stipendium wartete, störte ihn überhaupt nicht: "Wir empfanden das Thema Risikokapital immer ein bisschen unheimlich. Man hat subjektiv das Gefühl, dass man als Gründer ausgenommen wird."

Auch bei Mypols war und ist Risikokapital kein Thema. Das organische Wachstum kann sich sehen lassen. Wenn alles nach Plan läuft, zieht die Firma 2017 von der Universität weg in ein Gründerzentrum am Rande der Stadt. "Am liebsten wäre ich der weltweit führende Spezialist für maßgeschneiderte DNA-Polymerasen", schaut Kranaster in die Zukunft. "Mit schnelleren, robusteren und preiswerteren Polymerasen könnten wir viele Diagnostik- und und Sequenzierungsanwendungen für den Massenmarkt erschwinglich machen." Dieser Satz macht klar, wohin die ambitionierte Reise gehen soll. Doch gleich darauf erdet sich der junge Gründer selbst: "Ständig irgendwelche Zukunftsszenarien im Kopf durchzuspielen bringt ja nicht so viel. Was zählt ist das Hier und Jetzt!" Eine forsche Ansage eines selbsternannten Pessimisten - man darf gespannt sein, wie es mit Mypols weitergeht.

m.laqua[at]biocom.de

Auf dem Foto: Hinter Mypols-Chef Dr. Ramon Kranaster (l.) steht sein ehemaliger Doktorvater, Universitätsprofessor Dr. Andreas Marx. Außerdem im Team: Dr. Matthias Drum (Produktionsleiter), Jessica Zeller (Trainee) und Birgit Köhn (Masterstudentin).

11.02.2016 Ein Büro? – Gibt es nicht. Aber ein Labor? – Auch Fehlanzeige. „Vorerst ist Cyprumed eine Art virtuelles Pharmaunternehmen. Alle Forschungsaktivitäten sind ausgelagert“, führt Florian Föger aus.

Cyprumed

Die Fixkosten für Büro, Laborausrüstung und Fachkräfte spart sich der Gründer der Cyprumed GmbH damit. "Da zudem alle von uns beauftragten Firmen zertifiziert sind, haben unsere Ergebnisse ein stärkeres Gewicht, als wenn die Experimente zum Beispiel in einem Universitätslabor gemacht worden wären", ist er sich sicher.

Pille statt Spritze - so könnte das Motto des österreichischen Start-ups lauten. Einerseits ist eine Kapsel oder Tablette die beliebteste Einnahmevariante für einen Wirkstoff. Andererseits sind die meisten biologischen Wirkstoffe für diese Aufnahmeroute ungeeignet, weil sie im Darm abgebaut werden. Genau hier setzt Fögers Cyprumed an. Dank einer besseren Formulierung soll der enzymatische Abbau der Wirkstoffe im Verdauungstrakt verzögert werden. Die Wirkstoffe selbst werden dabei nicht verändert. In der Tablette werden sie nur mit verschiedenen, bereits zugelassenen pharmazeutischen Hilfsstoffen kombiniert, die alle relevanten Abbauenzyme selektiv und kurzfristig blockieren. Föger kann hier auf mehr als 10 Jahre Erfahrung mit oralen Darreichungstechnologien für Peptidwirkstoffe zurückgreifen: "Jeder kennt diese Hilfsstoffe, aber nicht im Zusammenhang mit der oralen Bioverfügbarkeit. Das ist eine komplett neue Erfindung."

Den – "für viele Leute in meinem Umfeld überraschenden" – Schritt in die Selbständigkeit begründet der Wissenschaftler mit dem "ganz besonderen Reiz, den so eine eigene Unternehmung hat." Eigentlich habe er schon als Doktorand mit der Idee gespielt, Unternehmer zu werden. Dann kamen aber sieben Jahre Kletterei auf der Karriereleiter bei Novo Nordisk dazwischen. Doch mit der Zeit vermisste er bei dem dänischen Diabetes-Spezialisten die Möglichkeit, Einfluss auf das "große Ganze" zu nehmen. Hinzu kam, dass seiner Meinung nach der Konzern dem Bereich Formulierung nicht genügend Wert beimaß. Föger weiter: "Mit Cyprumed baue ich auf das langfristige Potential unserer Idee. Schaffen wir es, eine Plattformtechnologie zu etablieren, dann steht uns ein Markt von mehr als 100 zugelassenen Wirkstoffen offen."

Es überrascht kaum, dass der gebürtige Tiroler als Geschäftsführer nun mehr Verantwortung trägt und freier entscheiden kann. Für ihn unerwartet hat er seit dem Wechsel von Konzern zu Start-up 2014 die vielzitierte "Work-Life-Balance" deutlich besser im Griff: "Zuletzt war ich bei Novo Nordisk Chef einer Gruppe von 20 Leuten. Das bedeutete eine Menge Reportings und Erreichbarkeit rund um die Uhr - übrigens auch im Urlaub." Bei Cyprumed war der Pharmazeut zunächst einmal auf sich allein gestellt. Der erste - und bis auf weiteres einzige - Mitarbeiter stieß erst Anfang 2016 dazu. "Wir wollen die Firma frühestens am Ende der ersten Phase I-Studie aus der virtuellen Phase entlassen - mit Mitarbeitern, Büro, Labor und allem, was dazu gehört", verrät Föger.

Mit "wir" meint er insbesondere seine "ziemlich stark eingebundenen" Business Angels, Mentoren und Beiräte Jürg Meier und Uwe Jacob. Meier leitete unter anderem den Novartis Venture Fund, Jacob war einer der Suppremol-Gründer. Regelmäßig steht ein Treffen mit den beiden Biotech-Urgesteinen in Innsbruck im Kalender. Oft wird diskutiert, mit welchen Wirkstoffen Cyprumeds Formulierung getestet werden soll. Im Spannungsfeld von Marktvolumen, Patentsituation und Konkurrenzprojekten hat sich mittlerweile das Osteoporosemittel Teriparatid an die Spitze der Pipeline gesetzt. Die präklinischen Versuche sind fast abgeschlossen. Nun stehen für die orale Formulierung des Mittels die Phase I-Tests an.

Mit seiner Idee und deren Umsetzung hat Föger bereits etliche Preise und Fördergelder einkassiert. Nach einer "Preseed"-Finanzierung von 200.000 Euro bekam der Jungunternehmer vor wenigen Wochen die Zusage für weitere mehr als 1 Mio. Euro "Seed"-Finanzierung. Laut Föger waren die verantwortlichen Förderstellen überrascht, dass mit so wenig Kapital so viel erreicht wurde. Logisch, dass da auch das Risikokapital anklopft. Aber das muss Föger zufolge vorerst warten: "Die Phase I schaffen wir so! Das Geld reicht voraussichtlich zwei Jahre." Ist die Cyprumed so genügsam, wie er sie darstellt, könnte der Plan aufgehen.

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Auf dem Foto: Cyprumed-Gründer Dr. Florian Föger (Mitte) und die Firmenbeiräte Prof. Dr. Uwe Jacob (l.) und Dr. Jürg Meier

23.12.2015 Über mangelnde Anerkennung kann sich die Nanolive AG in Lausanne wahrlich nicht beschweren: Die Schweizer haben seit ihrer Gründung vor etwas mehr als zwei Jahren jede Menge Urkunden und Pokale abgeräumt.

Nanolive

Der jüngste Zugang: Anfang Dezember wurde Nanolives "3D Cell Explorer" vom US-Wissenschaftsblatt The Scientist als eine der Top 10-Innovationen des Jahres geadelt. "Unser Mikroskop erlaubt zum allerersten Mal, das Innenleben einer lebenden Zelle zerstörungsfrei und in 3D zu visualisieren - und das innerhalb von weniger als einer Sekunde", fasst einer der fünf Gründer und jetzige Geschäftsführer Yann Cotte Nanolives Erfindung knapp zusammen. Ein eher im Hintergrund aktiver Gründer ist Christian Depeursinge, ein mittlerweile pensionierter Professor der EPF Lausanne und einer der Ideengeber der holographischen Mikroskopie. In seiner Gruppe fertigten Yann und der mittlerweile zum Assistenz-Professor in Istanbul berufene Mitgründer Fatih Toy ihre Doktorarbeiten an. Holographische Mikroskope basieren auf der Auswertung der Phasenverschiebung eines zweigeteilten Laserstrahls, von dem der eine Teil vom Objekt gestreut wird. Allerdings hakte es bei diesen Systemen bisher noch bei der Auflösung. "Wir wollten diese auf das Niveau der hoch auflösenden Fluoreszenzmikroskopie bringen", erzählt Yann. Der Kniff: Der Laser wird geneigt und von der Seite auf die Probe geworfen. Außerdem wird er rund um die Probe gedreht, was zum einen futuristisch anmutet, zum anderen die Auflösung in alle Richtungen verbessert. Nach der Rekonstruktion am Computer standen unter Optimalbedingungen am Ende 70 nm unter dem Strich - deutlich besser als die 300 nm bei konventioneller Bildgebung von lebenden Zellen. Die derzeit in Lausanne zusammengeschraubten Geräte schaffen immerhin 200 nm Auflösung. Wenn in den nächsten Wochen die Auftragsfertigung anläuft, sollen bald 100 nm drin sein, verspricht der Lockenkopf.

Für die Gründung von Nanolive gibt es übrigens ein Initialmoment: "Als Physiker hatte ich ja zunächst nichts mit Zellen zu tun. Ich war einfach nur stolz auf das Ergebnis meiner Doktorarbeit", so der 33-Jährige. Der alles verändernde Anstoß kam von einem der Gutachter der Fachpublikation: "Habt ihr damit statt Löcher auf einer Platte schon einmal Zellen abgebildet?" Das Team machte daraufhin ein paar beeindruckende 3D-Rekonstruktionen von Neuronen samt deren Feinstruktur und Zellorganellen, die prompt um die Welt gingen. "Ich habe die Aufregung im ersten Moment gar nicht verstanden", kokettiert Yann. Die Kombination aus Markerunabhängigkeit, hoher Auflösung, Zeitrafferoption und 3D-Veranschaulichung ist in der Art einmalig, was übrigens auch die Geldgeber so sehen. Nanolive ist privat finanziert und hat inzwischen 2,7 Mio. CHF eingesammelt. Die 40 "handverlesenen" Investoren sind laut Yann auf fast alle Kontinente verteilt. "Unsere Investoren sind richtige Fans unserer Technologie. Mehrheitlich sind sie keine klassischen Business Angels, sondern Erstinvestoren, die oftmals über das erstklassige Netzwerk der EPFL auf uns aufmerksam geworden sind", lobt der Geschäftsführer und zieht in Sachen Gründerfreundlichkeit einen interessanten Vergleich: "Lausanne ist das Berlin der Schweiz!"

Neben Christian, Fatih und Yann gehören Sébastien Equis und Andreas Kern zu den Gründern. "Beide kannte ich seit vielen Jahren und beide brannten für das Projekt Nanolive", erinnert sich der gebürtige Bayer Yann. Einige Gründer - Nanolive wird derzeit in erster Linie von Yann und Sébastien vorangetrieben - und Mitarbeiter sind inzwischen nicht mehr mit dabei. Der CEO ist sich sicher, dass aus gutem Grund Firmengründer meistens etwas jünger sind: "Man muss seinem Baby viel Zeit widmen. Diese Vereinbarkeit ist nicht immer bei jedem für immer oder zumindest für eine längere Zeit gegeben." Von den Gründern habe aber heute jeder seine Rolle gefunden, wie er am besten zum Wohl der auf 12 Köpfe gewachsenen Nanolive beitragen kann. Das aktuelle Team könne den schnellen Takt jedenfalls mitgehen, ist sich Yann sicher: "Die Arbeit für ein Start-up ist für viele ja auch eine Art Beschleuniger für die Selbstfindung: Was will ich eigentlich in meinem Leben machen?"

Auf dem Foto: Drei der fünf Gründer von Nanolive am Genfer See (v. l.): Dipl.-Physiker Dr. Andreas Kern, Dipl.-Physiker Dr. Yann Cotte und Dr. Sébastien Equis (MS in Optik)

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