Wissenschaft

TGN1412: Im Auge des Sturms
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Immunologie

TGN1412: Im Auge des Sturms

14.05.2012 - Vor sechs Jahren führte der Rheuma-Wirkstoff TGN1412 in einer klinischen Studie zu lebensgefährlichen Nebenwirkungen. Forscher haben nun einen zentralen Mechanismus entschlüsselt.

Wie die Wissenschaftler des Paul-Ehrlich-Instituts jetzt im Fachmagazin Blood berichten, ist die Interaktion des induzierbaren Kostimulators ICOS auf der T Zelle mit seinem Liganden LICOS auf der Endothelzelle für eine gefährliche Verstärkung der Nebenwirkungen verantwortlich. Durch die Gabe von TGN1412 kam es in einer klinischen Studie zu einem sogenannten Zytokinsturm, bei dem immunologische Botenstoffe in großen Mengen freigesetzt werden. Die vollkommen entgleiste körpereigene Immunabwehr führte schließlich zum lebensbedrohlichen Multiorganversagen und zu bleibenden gesundheitlichen Schäden.

Bei TGN1412 handelt es sich um einen Superagonisten, der die T-Rezeptorzellen unabhängig von einem spezifischen Rezeptor aktivieren kann. Dafür sind aber offenbar bisher unbekannte Kofaktoren nötig: Im Reagenzglas lassen sich T-Zellen nicht allein durch die Zugabe von TGN1412 aktivieren. Dazu ist auch die Anwesenheit von Endothel-Zellen notwendig. Die PEI-Forscher untersuchten eine ganze Reihe kostimulatorischer Moleküle und machten schließlich die Interaktion zwischen dem induzierbaren Kostimulator ICOS auf der T-Zelle des Immunsystems und seinem Liganden LICOS auf der Endothelzelle als Signal aus. Erst durch dieses Signal kam es zur Aktivierung der T-Zelle.

„Die Fähigkeit dieses Superagonisten, eine antigenunabhängige polyklonale T-Zellaktivierung herbeizuführen, zeigt das enorme therapeutische Potential, gleichzeitig aber auch die Risiken solcher immunaktivierenden Antikörper auf“, betont Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts. „Befunde wie diese tragen zu einem besseren Verständnis der immunologischen Prozesse bei. Dieses ist notwendig, um noch besser als bisher im Vorfeld klinischer Prüfungen die immunologische Reaktion solcher Superagonisten abschätzen zu können.“

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Angaben ohne Gewähr, Stand: 18.04.2014

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