Sanofi-Aventis liebäugelt mit Genzyme
27.07.10 Laut einem Bericht des Wall Street Journal erwägen mehrere Unternehmen die Übernahme des amerikanischen Biotech-Unternehmens Genzyme Corp. Spitzenreiter ist der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis, hier habe es bereits Vorgespräche gegeben. Genzyme ist derzeit an der US-Börse Nasdaq mit 14 Mrd. US-$ bewertet. Die Übernahme-Gerüchte trieben den Kurs bereits um annähernd 30% nach oben und dass, obwohl beide Unternehmen sich weigerten, zu den Gerüchten Stellung zu nehmen.Sollten die Franzosen wirklich die US-Firma schlucken, wäre das für die weltweite Biotech-Branche ein echter Paukenschlag und der größte derartige Deal nach der Übernahme von Genentech durch den schweizerischen Pharmakonzern Roche für 44 Milliarden US-$ im Jahr 2009. Genzyme passt genau in das Beuteschema von Sanofi-Aventis: Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Genzyme einen Umsatz von 4,5 Mrd. US-$. Mit einem EBITDA von 1,1 Mrd. US-$ ist das Unternehmen hoch profitabel und könnte Sanofi-Aventis helfen, Umsatzausfälle durch Patentabläufe zu kompensieren. Unternehmenschef Chris Viehbacher hatte zudem angekündigt, dass er Übernahmen in der Größenordnung von 5 Mrd. US-$ bis 15 Mrd. US-$ befürworte, sofern diese augenblicklich einen Beitrag zu Gewinn und Umsatz leisteten.
Auf Genzyme würde das zutreffen. Das Unternehmen ist ein Spezialist für Präparate gegen seltene Erkrankungen. Durch eine ambitionierte Preispolitik hatte es Genzyme etwa geschafft, sein Medikament Cerezyme zu einem Blockbuster zu machen, obwohl es mit einer Prävalenz von 1: 50.000 nur für relativ wenige Kranke in Frage kommt, die an der lysosymalen Speicherkrankheit Gaucher-Syndrom leiden.
Der Zeitpunkt für eine Übernahme könnte zudem günstig sein, da sich Genzyme in den vergangenen Monaten mit Produktionsproblemen herumplagte und sogar einige Warnungen der FDA kassierte, die letztlich zu einem Kurssturz, Zulassungsverzögerungen und einem Umsatzeinbruch führten.
Laut DZ-Bank-Analyst Thomas Maul könnte eine erfolgreiche Übernahme Sanofi-Aventis nur zum Vorteil gereichen, wenn der Preis nicht oberhalb von 20 Mrd. US-$ liegt. Sollten aber GlaxoSmithKline oder Johnson & Johnson in den Übernahmekampf einsteigen, könnte eine kostspielige Bieterschlacht drohen.



