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Beta-Interferon dämpft Tumorwachstum

07.04.10 Forscher des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig haben eine bisher unbekannte Funktion des altbekannten Entzündungsbotenstoffs Beta-Interferon entdeckt: Es verhindert die Neubildung von Blutgefäßen in Tumoren. Beta-Interferon wird seit langem in der Medizin eingesetzt. Verschiedene Produkte erzielen Milliardenumsätze. Vorrangig wird der Botenstoff in der Behandlung von multipler Sklerose verwendet.
Jadwiga Jablonska von der Gruppe „Molekulare Immunologie“ am HZI konnte nun nachweisen, dass Beta-Interferon die für den Tumor wichtige Angiogenese unterbindet. Um zu wuchern, müssen Tumorzellen für die Bildung neuer Blutgefäße sorgen. Dazu locken sie Leukozyten an, die Wachstumsfaktoren ausschütten und so für neue Blutbahnen sorgen. Wie Jablonska im "Journal of Clinical Investigation" (1. April 2010, Bd. 120. Ausg. 4) berichtet, untersuchte sie zwei Gruppen von Mäusen. Eine konnte kein Beta-Interferon bilden, die andere hingegen schon. Es zeigte sich, dass die Mäuse ohne das Interferon signifikant größere Tumore ausbildeten und stärker von Metastasenbildung betroffen waren. Mäuse mit Interferon dagegen wiesen langsamer wachsende Tumore mit weniger und kleineren Metastasen auf. Den Grund für das schlechtere Wachstum fand die Wissenschaftlerin in der fehlenden Durchblutung der Tumore. „In Gegenwart von Beta-Interferon bildeten sich viel weniger Adern im Tumor“, so Jablonska. Offenbar reicht bereits eine geringe Menge des Entzündungsbotenstoffs aus, um die Leukozyten von den Tumorzellen fernzuhalten.
„Dieser Wirkmechanismus von Beta-Interferon war bisher völlig unbekannt“, sagt Siegfried Weiß, Leiter der Arbeitsgruppe „Molekulare Immunologie“ am HZI. Der Botenstoff spiele eigentlich eine wichtige Rolle bei Virus-Erkrankungen und Entzündungsreaktionen. „Wir wollen jetzt verstehen, wie das Netzwerk von Tumor, Immunzellen und Botenstoffe funktioniert, um neue Zielstrukturen für die Therapie von Krebs zu entdecken“, so Weiß.

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